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Erklärung der georgischen Journalisten
Am frühen Morgen des 26. Juli wurde der Journalist Giorgi Sanaia in seiner eigenen Wohnung in Tbilissi erschossen. Dieser entsetzliche Mord erschütterte die Menschen in Georgien sowie im Ausland. Wir Journalisten erklären der Familie des verstorbenen Kollegen unseren Beistand und unser Beileid. Der Mord an Giorgi Sanaia war das logische Ergebnis des Wirrwarrs, welcher in unserem Lande herrscht. In Georgien ist Verprügelung, Beleidigung, Bedrohung und Bedrängung von Journalisten zur Gewohnheit geworden. Bisher ist leider noch keiner der Verbrecher zur rechenschaft gezogen worden. Noch schlimmer, die Rechtsschutzorgane vernachlässigen und verheimlichen in der Regel die Verbrechen, deren Autoren oft sie selber sind. Nach schon zehn Jahren der Unabhängigkeit verliert Georgien Schritt für Schritt sogar die wenigen formalen Merkmale der Demokratie und wandelt sich zu einem provinziellen totalitären Staat. Dieser Mord ist ein harter Schlag gegen die Redefreiheit – eine der Grundfreiheiten des Menschen. Wir nehmen diesen blutigen Gewaltakt wahr als einen Rettungsversuch der Macht einer kleinen Gruppe der Klans und der Mafia. Wir wie auch der Großteil der Gesellschaft halten diesen Mord für einen Versuch, die Journalisten und die ganze Öffentlichkeit einzuschüchtern. Die Mörder schossen nicht nur auf Giorgi Sanaia, nicht nur auf Journalisten, sondern auch auf die ganze Öffentlichkeit. Verantwortlich für diese Gesetzlosigkeit im Lande ist vor allem die georgische Regierung, deren Handlungen uns denken lassen, daß sie entweder nicht imstande ist, das Land zu regieren, oder dass sie es bewußt mit den für sie natürlichen Klan-Mafia-Methoden regiert. Es ist logisch, daß die Bevölkerung solch eine Regierung nicht braucht: sie muß zurücktreten. In erster Linie sollen entsprechende Konsequenzen gegenüber den Leitern der Rechtsorgane gezogen werden, die für die Ordnung im Lande verantwortlich sind. Die im Lande herrschende Atmosphäre lässt uns denken, daß wir es mit einem gut organisierten politischen Mord zu tun haben, dessen Ziel es ist, die Journalisten zu verängstigen und die freien Medien einzuschüchtern. Wir verlangen, daß die Ermittlungen dieses Attentat in kürzester Frist aufklären. Und sollte dies nicht bald geschehen und die Auftraggeber und Ausführenden nicht zur Rechenschaft gezogen werden, kann die kritische Situation des Landes vor dem Hintergrund dieser Ereignisse ausser Kontroll geraten. Wir Journalisten als Staatsbürger Georgiens nehmen unsere Verantwortung für unser Land wahr. Gerade deswegen macht diese Tragödie unsere Handlung noch zielstrebiger und kompromissloser. Wir erklären laut, daß wir den Tod von Giorgi Sanaia niemandem verzeihen. Wir können die Zerstörung des Landes, die Entführung von Menschen, Morde, die Beleidigung von Menschen, die Gesetzlosigkeit und den endgültigen Niedergang unseres Landes niemals billigen. Zeitung “Kwiris palitra“, Zeitung “Alia“, Zeitung “Axali taoba“, Zeitung “Rezonansi“, Zeitung “6 Saatze“, Zeitung “Palawani“, Zeitung “Georgian Times“, Zeitung “Asawal-dasawali“, Radiosendung “Mzwane talga“, Zeitung “Droni“, Zeitung “Kwali“, Der Journalistenbund Georgiens, NGO “Freiheitsinstitut“, NGO “Medieninstitut“... Und hunderte von georgischen Zeitungen, NGOs, gesellschaftlicher Organisationen und freien Journalisten. Die “Kaukasische Post“ teilt die Meinung ihrer Kollegen und schließt sich dieser Liste an. Die Redaktion der “Kaukasischen Post“ spricht der Familie Sanaias, seinen Freunden, seinen Kollegen und ganz Georgien ihr tief empfundenes Beileid zu dem schweren Verlust durch den Tod Giorgi Sanaias aus.
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