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"WIND, DER WEHT, GEORGIEN IM WANDEL" Marine Peradse
Fried Nielsen wurde 1961 im Christian-Albrechts-Koog
geboren. Nach dem Abitur der Kieler Gelehrtenschule studierte er
Rechtswissenschaften in Bonn und in München. Anschließend lebte er in
Paris, bevor er 1988 in das auswärtige Amt eintrat. Er war zunächst in
London und zuletzt als stellvertretender Botschafter in Tbilissi tätig.
Zur Zeit ist er als Kulturreferent an der Botschaft in Bukarest tätig. K.P.: In Ihrem Buch schildern Sie dieses 7-jährigen Leben, die Sie fast in Georgien gebracht hatten, Geschichte Georgiens, Ihre Ansicht über georgische Kunst und Lebensweise, Ihre eigene Erfahrungen, die Sie hier bekommen. War es für Sie schwer solchein Buch zu schreiben? Wie lange dauerte diese Arbeit? F.N.: Ich habe sechs Jahre lang geschrieben. Sehr lange. Vor allem deshalb, weil ich ja nebenher arbeiten musste. Es war eine lange, lange Durststrecke. Noch einmal wurde das über meine Kräfte gehen. Meine Freunde und meine Familie haben mich jedoch immer ermuntert weiter zu schreiben. Das Schönste an dem Buch für mich sind die vielen Reisen in Georgien und der Türkei, die ich gemacht habe, um Land und Leute beschreiben zu können. Manchmal denke ich, daß ich jedes georgische Dorf besucht habe. Diese Reisen werden mir immer in Erinnerung bleiben. Georgien – das sind für mich vor allem die Menschen in den Dörfern in Imeretien und Kachetien und nicht nur die Menschen in Wake und Saburtalo. K.P.: Als ich Ihr Buch las, hatte ich solches Gefühl, als ob es ein Georgier geschrieben hätte. Was meinen Sie dazu? F.N.: Ich bin sicherlich schon etwas "georgisiert". Damit will ich auch sagen, daß ich versucht habe in der Art und Weise meines Schreibens den „Nationalcharackter" der Georgier zu erfassen. Besonders gefällt mir zum Beispiel, daß die Georgier sich selber auf den Arm nehmen können. Eine Eigenschaft, die leider nur wenige Völker der Welt haben, leider. Mein erstes Kapitel ist eine Art Liebeserklärung an Georgien, auch an georgische Werte, wie Zusammenhalt der Familie. Das steht dann alles sehr zwischen den Zeilen, man muß es nur richtig lesen können. Ich bin allerdings froh, daß die meisten es auch so verstanden haben. K.P.: Wie können Sie Ihre Arbeit als stellvertretender Botschafter in Tbilissi einschätzen? Was meinen Sie, werden Sie für Georgier als Botschafter oder als Schriftsteller bleiben? F.N.: Eher als Schriftsteller. Ich möchte weitere Bücher über Georgien herausgeben. Aber erst einmal mache ich 2 Jahre Pause. Wir brauchen mehr Informationen über Georgien, aber auch über die anderen Kaukasusländer. Was wissen wir schon über die Tschetschenien, die Tscherkessen und den übrigen Nordkaukasus? Über Georgien fehlen viele weitere Bücher: eine Anthologie georgischer Dichtung etwa oder ein Buch über Tiflis, auch gibt es keinen anständigen aktuellen Bildband. K.P.: Nicht alle Georgier haben eine Gelegenheit Ihr Buch zu lesen. Erstens: das Buch kostet teuer, und zweitens: nicht alle können Deutsch. Haben Sie keinen Wunsch, daß Ihr Buch in Zukunft ins Georgisch übersetzt würde. F.N.: Ich würde mich über eine Übersetzung sehr freuen. Aber wer würde das machen? Zum Glück können ja viele Georgier Deutsch! Das Buch kostet jetzt bei CUNA 25 Lari. Das ist soviel Geld auch nicht. Eine Übersetzung wäre wirklich mein großer Traum. Ich habe aber noch keinen georgischen Verlag gefunden, der sich dafür interessieren würde. Leider. K.P.: Hat Ihr Buch in Deutschland einen Erfolg? F.N.: Ich bin zufrieden. Ich möchte mich an dieser Stelle bedanken bei allen, die mir zum Buch gratuliert haben – durch Anrufe, Riefe und Geschenke. Das war für mich eine große Freude. Das Buch hat eine Auflage von 3000 Exemplaren. Mehr als die Hälfte ist verkauft. Ich hoffe in den nächsten Monaten die übrigen Exemplare zu verkaufen. Dann gäbe es eine zweite Auflage, in der könnten auch die Fehler verbessert werden. K.P.: In dem letzten Teil Ihres Buches beschreiben Sie Ereignisse des Jahres 1999, aber bis heute sind zwei Jahren vergangen. Passierte für Sie in diesen zwei Jahren etwas Wichtiges, was Sie gern in Ihrem Buch schreiben würden? F.N.: Das wichtigste ist die Lösung des Abchasien-Konfliktes. Das wird noch dauern, aber wir sind auf einem guten Weg. Manche mögen denken, ich wäre zu optimistisch. Ich glaube das nicht. Mit Geduld und Langmut werden Abchasen und Georgier wieder friedlich zusammen leben. K.P.: Zur Zeit arbeiten Sie in Bukarest. Wie sieht Georgien von weitem aus? F.N.: Noch schöner. Allerdings habe ich bei meinem letzten Besuch einige schwere Bausünden in Tiflis gesehen. Ich hoffe, daß die Georgier ihre Stadt nicht weiter zerstören! K.P.: Wenn es kein Geheimnis ist, können Sie bitte uns sagen worüber Sie Ihr folgendes Buch schreiben werden? F.N.: Ich schreibe jetzt Erzählungen. Einige davon spielen in Georgien. Außerdem werde ich nächstes Jahr ein Buch über Georgien herausgeben. Worüber ist allerdings ein Geheimnis! |