Die Dreifaltigkeitskirche von Kasbek "Zminda Sameba"

Maja Sachltchuzischwili

    Die Sameba-Kirche ist mit ihrer Schönheit des Standortes und der geschichtlichen Bedeutung der Stolz Georgiens. Sie steht umgeben von Gebirgsketten auf einem hohen Berg vor dem Hintergrund des georgischen Schneegipfels Kasbek. In der Bergregion Georgiens ist sie die einzige Kuppelkirche und das am meisten verehrte und besuchte Hauptheiligtum. Die Kirche befindet sich in der uralten Gebirgsprovinz Ostgeorgiens, in Chewi (Schlucht), die in den Hochgebirgstälern des großen Kaukasus unterhalb des 5000 Meter hohen Gipfels liegt.
    Chewi (heute Rayon Kasbek), reich an historischen Denkmälern, Vergangenheit, Volkskunst und gut bewahrten Traditionen, zog schon von alters her viele berühmte Dichter, Forscher, Reisende und Künstler an. Dieses Gebiet wurde "Paradies auf Erden" genannt. Es ist nicht nur der schönste Ort in Georgien, sondern der ganzen Welt.
    Die Schlucht ist mit Tbilissi durch die georgische Heerstraße verbunden. Sie wird vom Fluß Tergi durchschnitten. Entlang der georgischen Heerstraße gibt es viele alte Kirchen, Festungen, Wehr- und Wachtürme. Die Sameba -Kirche ist die größte der in den Bergregionen erhalten gebliebenen Kirchen Georgiens. Sie stammt wie der daneben stehende Glockenturm aus dem 14. Jahrhundert. Nach den historischen Quellen war hier ein Klosterkomplex, von dem nur ein Tempel, der Glockenturm und eine Steinmauer erhalten geblieben sind.
    Das genaue Datum des Kirchenbaus ist unbekannt. Es gibt auch keine Berichte des Baumeisters. Nach den architektonischen Formen wird der Bau aus dem 14. Jahrhundert datiert. Nur an einer Wand des Glockenturms ist eine Inschrift zu bemerken: "Der Bauer Toma und der Ochs Loma". Nach der volkstümlichen Überlieferung baute ein Bauer namens Toma die Kirche, die Steine und anderes Baumaterial trug er mit Hilfe seines Stieres, der Loma hieß, auf den Berg.
    Eine andere Legende erzählt, dass die Könige Georgiens auf dem höchsten Punkt dieses Gebietes, dem heutigen Kreuzpass, ein Schaf als Opfer für die Gottheit schlachten ließen. Da flog ein Adler heran, raubte das Opfertier und flog weiter. Die Jäger und die Begleiter der Könige folgten ihm. Der Adler näherte sich einem Berg vor dem Kasbek-Gletscher und setzte das Schaf am Fuß dieses Berges ab, heute befindet sich hier das Dorf Gergeti. Nach einer Weile nahm der Vogel das Opfertier wieder mit seinen Krallen auf und setzte es in der Mitte des Berges im Wald ab. Das dritte Mal ließ er das Schaf auf dem Gipfel des Gergeti-Berges fallen. Die Könige begriffen den Sinn dieses Ereignisses und erbauten auf dem Berggipfel das Kloster "Sameba" – Dreifaltigkeit. An den drei Stellen, an denen das Schaf abgesetzt wurde, errichtete man drei Kreuze.
    Der Grundriss der Dreifaltigkeitskirche ist traditionell. Sie ist eine Kreuzkuppelkirche mit zwei frei stehenden Pfeilern unter der Kuppel und einer Apsis, die nicht über das Rechteck der Außenwände hinausragt. Der Bau ist niedrig im Vergleich zu seinen älteren Vorbildern. Die Wandflächen sind ungegliedert. Es gibt keine Zierbögen. Die Fassaden sind mit Ornamenten versehen, die sich um die Fenster konzentrieren. Über den zentralen Fassadenfenstern sind dekorative Kreuze aufgepflanzt. Der zehnflächige Kuppelhals, der ungewöhnlich hoch aussieht, ist mit Bögen verziert. Der leere Innenraum wird von der Kuppel gekrönt. Diesen Raum beleuchtet das Licht durch Seiten- und Kuppelfenster. Die inneren Wände des Tempels sind mit geschliffenen Steinen verkleidet. Die Südfassade unterscheidet sich von der Ost- und Westfassade durch ihre Form und Dekoration. Im rechten, restaurierten Teil der Fassade ist das Christussymbol, das Schaf, dargestellt. Die Fassadendekoration ist um die Tür und zwei Fenster angelegt. Der Tempel hat zwei Eingänge, von südlicher und westlicher Seite. Die Verzierung der Kirchenwände mit geschliffenen Steinen lässt darauf schließen, dass die Wände früher nicht bemalt waren. Davon zeugen verschiedene bilderförmige Verzierungen. Während der Restaurierung der Kuppel wurden auf den Gewölben Ziegel verwendet. Die Kuppel besteht aus mehreren Elementen. In der Mitte ist ein hohes und breites Kreuz dargestellt. Die Nebenschiffe sind halb verdunkelt, weil sie keine eigenen Luftfenster haben. Im Interieur des Tempels lenkt ein architektonisches Detail die Aufmerksamkeit auf sich, ein profilierter Gürtel, der die Innenwände auf einer Linie umgrenzt.
    Die ursprüngliche Altarwand ist nicht erhalten geblieben, die heutige ist größer. In sie sind die Fragmente der verzierten Steine der alten Altarwand eingebaut. In der Mitte des Altars steht ein Opfertisch, der aus der Erbauungszeit der Kirche stammt. In den Nebenseiten des Altars befinden sich einzelne viereckige Kammern. Über den Luftfenstern sind heimliche Versteckkammern eingerichtet, wo der Kirchenschatz aufbewahrt wurde. Die Kirche ist hauptsächlich zweistöckig. Jeder Abschnitt des Tempels hat seinen eigenen großen oder kleinen zweiten Stock.
    Nach den Berichten des georgischen Historikers und Geographen Wachuschti Bagrationi wurde das Kloster von Sameba nach dem Wunsch des Königs und des Bischofs als ein zuverlässiger Ort erbaut, um den Kronschatz aufzubewahren.
    Das Gebäude steht auf einem hohen Fundament mit rechteckigen Stufen. Das Maß der geschliffenen Fassadensteine ist verschieden. Deshalb folgen sie einander nicht der Reihe nach. Das südliche Tor wurde später angebaut. Die Kronsteine der südlichen Tür waren als Stützen der Gewölbe bestimmt. In der Ostfassade ist ein großes viereckiges Kreuz dargestellt, in allen seinen vier Ecken sind verzierte Quadratsteine eingesetzt. An der Fassade sind ein großes und zwei kleinere Klappfenster. Außer dem Kronschatz wurden in der Sameba-Kirche viele Heiligtümer aufbewahrt, darunter auch das Weinrebenkreuz der Heiligen Nino, mit dem sie im 4. Jahrhundert Georgien zum Christentum bekehrte.
    An einem Felshang des Hauptgipfels des Kasbek liegt ein Höhlenklosterkomplex, der noch nicht erforscht ist. Darunter befindet sich die in altgeorgischen Quellen erwähnte, in 4100m Höhe gelegene Höhle Betlemi. Nach der Überlieferung wurden hier das Zelt von Abraham und die Wiege von Jesus Christus aufbewahrt.

Literaturverzeichnis:
1. P. Sakaraia "Georgische Baukunst in XI-XVIII Jh."
2. W. Beridse, E. Neubauer, "Die Baukunst des Mittelalters in Georgien", Berlin 1980

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