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"Wir betreuen ein Kind von A bis Z" Die Harfenistin aus Deutschland, Frau Edith Fellmann kümmert sich um die Kinder im Waisenhaus in Kodschori Eka Sakalaschwili Kaukasische Post: Bitte erzählen Sie über Ihre Tätigkeit, wie sind Sie nach Georgien gekommen?
Edith Fellmann: Es ist das fünfte Jahr, daß ich nach Georgien regelmäßig komme und das erste Mal bin ich mit einer amerikanischen Gesellschaft gekommen, die Medikamente gebracht und mich gebeten hatte, zusätzlich zu dieser humanitären Hilfe das gute Wort zu bringen, in dem ich in den Krankenhäusern, bei Kranken und in Altersheimen Harfe spielen sollte. Ich wollte gerne mit meiner Harfe eine Botschaft der Solidarität bringen, Leuten helfen, denn die Harfe ist ein ganz besonderes heilendes Instrument. Als ich nach Georgien kam, hatte ich keine Ahnung von Georgien. Während meines Aufenthaltes hatte ich den Wunsch auch für Kinder zu spielen. Und jemand hat mich mit meiner Harfe nach Kodjori gebracht, zu dem Waisenhaus. Nachdem ich den ganzen Nachmittag mit den Kindern musiziert, gesungen, getanzt und gemalt habe, habe ich gespürt, daß ich das nicht nur einmalig machen könnte und habe beschlossen in Deutschland Benefizkonzerte zu organisieren, um das Geld zu sammeln und diesen Kindern zu helfen. So ist allmählich eine Idee entstanden, die sich dann weiter entwickelt hat und inzwischen ist es so weit, daß ich eine ganze Mannschaft von Lehrern bezahle, die den Kindern am Nachmittag Zusatzunterricht in Kunst, Musik, Gesang, Tanz, Englisch und Sport geben, damit die Kinder etwas besser für ihre Zukunft vorbereitet und sie beschäftigt und betreut werden.Zusätzlich dazu habe ich ein Sommerprogramm, weil ich entdeckt habe, daß die Kinder im Sommer absolut nicht beschäftigt sind und nichts zu tun haben. In diesem Programm bezahle ich extra noch zwei Lehrer, die mit den Kindern Ausflüge machen, Geschichten erzählen, Religion unterrichten, basteln, malen und Sachen vorbereiten für den Winter, die dann bei verschiedenen Benefizbazaren verkauft werden können, wie zum Beispiel Waldorfschulen in Deutschland, in unseren Schulen, in meiner Musikschule. Der Erlös dieser Aktionen ist eine willkommene Zusatzhilfe für mein Projekt. K. P.: Arbeiten Sie mit irgendeiner Organisation zusammen? E. F.: Damals war es eine amerikanische Organisation, davon bin ich gleich abgesprungen und es ist jetzt eine reine private Initiative, wobei mir ein amerikanischer Freund finanziell hilft, der damals mit dieser Organisation kam. Mit seiner und meiner Hilfe finden wir auf Privatbasis im Allgemeinen genug Geld im Laufe des Jahres, um dieses Programm fortzusetzen. Unsere Ergebnisse sind, daß die Kinder jetzt viel offener sind, sehr viel fröhlicher, sie sind jetzt auch fähig Feste zu organisieren, sich auch auf der Bühne vorzustellen und einige Mädchen tanzen inzwischen wie professionell. Durch dieses Angebot haben wir die Gelegenheit bekommen, die Kinder näher zu beobachten und bei einigen Kindern richtige Begabungen zu entdecken. Die ersten Kinder, die ich kennengelernt habe, sind jetzt 16 geworden, wobei das nächste Problem beginnt: Wohin mit diesen Kindern, niemand scheint sich darum kümmern zu wollen. So haben wir die Mutter eines 16jähriges Mädchens, Alona, besucht, sie ist eine Invalidin und kann sich um ihre Tochter nicht kümmern. Mit ihr zusammen haben wir ein Programm aufgestellt.: :Alona wird ab September in Tbilissi eine Medizinschule besuchen, um Hebamme oder Krankenschwester zu werden (das ist ihr eigener Wunsch). Für dieses Mädchen habe ich in Deutschland einen Sponsoren gefunden, der versprochen hat mehrere Jahre monatlich für die Ausbildung dieses Mädchens zu bezahlen. Das wollen wir in Zukunft auch fortsetzen. K.P.: Womit sind Sie in Deutschland beschäftigt? E. F.: Ich bin von Beruf Harfenistin und habe auch ein Diplom in Germanistik. Ich habe einige Jahre Deutsch in Paris unterrichtet. Ich bin nämlich Französin und nicht Deutsche wie viele denken. Als ich aber dann meinem Mann nach Deutschland folgte, bin ich sozusagen arbeitslos geworden, weil es nicht möglich war...in Deutschland Deutsch. Ich hatte die Wahl zwischen Französisch unterrichten oder mein Musikstudium fortzusetzen. Das habe ich dann vorgezogen, weil München eine ganz besonders musikalische Stadt mit sehr guten Musikhochschulen, wie jeder Georgier inzwischen weiß. Ich habe dann mein Harfendiplom beendet und seither bin ich in München Harfenistin. Dabei bin ich auch Präsidentin vom AdFM (Association des Francais de Munich). K.P.: Unterstützt auch Ihr Mann dieses Projekt? E.F.: Mein Mann ist nicht speziell bei meiner Initiative involviert, aber er ist der Vorsitzende der Bayerischen Ostgesellschaft (BOG) und kümmert sich mit seiner Gesellschaft um die ganzen Belange der ehemaligen Länder der Sowjetunion. Sie machen einen kulturellen Austausch und Programme. Deswegen kann ich jedes Jahr einen georgischen Studenten einladen, der an einem sogenannten "Deutschlandseminar" teilnimmt, das zwischen Juni und Juli stattfindet, und vier Wochen dauert. So bekommt ein Germanistikstudent aus Georgien die Gelegenheit, an verschiedenen Kursen teilzunehmen, Besichtigungen zu machen, politische und kulturelle Belange Deutschlands aus nächster Nähe zu erfahren. Die Unterbringung erfolgt erstmals in einem Studentenheim und in der letzten Woche werden die Studenten in Familien aus München untergebracht. Sie können sich dann ein bisschen ausruhen und ein bisschen Tourismus machen. Wir haben jedes Jahr Studenten aus Odessa, Donezk, Nischni Nowgorod und aus vielen verschiedenen Städten. Seit diesem Jahr versuche ich einen georgischen Studenten einzuladen, obwohl Georgien schon sehr weit ist. Bisher schaffen wir jetzt immer den Aufenthalt zu bezahlen, wir sind sehr begrenzt in unseren Mitteln, aber es scheint noch zu klappen. Eine Bedingung, die daran geknüpft ist, ist, dass der Student noch niemals vorher in Deutschland war, sei es mit einer anderen Organisation, sei es aus eigenen Mitteln, damit ein Student, der wirklich ganz wenig Mittel hat, einmal die Gelegenheit hat, Deutschland kennenzulernen. K.P.: Und welche Pläne haben Sie mit der Musikschule namens Ewgeni Mikeladse? E. F.: Wir haben das Projekt schon seit 2-3 Jahren entwickelt und das scheint jetzt eine ganz interessante Form anzunehmen. Wir möchten gern mit meiner eigenen Musikschule aus München - eine Schule mit 600 Kindern und 50 Lehrern, eine Art Austausch machen und gemeinsame Konzerte organisieren. Wir wollen 10 bis 15 Studenten nach München einladen, vielleicht auch nach Ingolstadt, aber alles ist mit finanziellen Mitteln verbunden. Wir wollen ungefähr zehn Tage lang zusammen musizieren, auch ein bißchen München besichtigen, die Studenten werden in Familien untergebracht. Meine Idee ist nicht nur Studenten aus der Musikschule kommen zu lassen, sondern vier von meinen Waisenkindern aus Kodjori auch noch mitzunehmen, nachdem sie wunderbar Blockflöte spielen, singen, und sehr schöne Volkstänze aus Georgien ausführen können. Ich glaube sogar, dass diese vier Kinder eine große Sensation wären, wenn es mir gelingt, das ganze Projekt durchzuführen. Wir versuchen jetzt, Gelder zu bekommen von Soros-Foundation und ich versuche meinerseits Geld von verschiedenen Sponsoren aus Deutschland zu bekommen, wenn sie sich für dieses Projekt genügend interessieren. K.P.: Wie oft kommen Sie nach Georgien? E. F.: Ich komme jedes Jahr nach Georgien, weil die Erfahrung lehrt, daß alles, was man organisiert, überwacht werden muß. Wenn die Direktion eines Waisenhauses weiß, daß man jedes Jahr wieder kommt und erwartet, daß die gespendeten Sachen noch vorhanden sind(wie Z.B .Musikinstrumente) und die organisierten Lektionen stattgefunden haben, dann zeigt sie sich viel kooperativer. Diese Problematik, die wir durchaus gehabt haben, ist jetzt im Laufe den Jahren weniger geworden. Die Kinder kennen uns inzwischen sehr gut, haben Vertrauen, erzählen uns Vieles. Zum Beispiel war ich jetzt in Kodjori und habe 35 Paar Schuhe für die erste Hälfte der Kinder mitgebracht,( es sind ungefähr 80 Kinder). Diese Schuhe habe ich selbst auf dem Lilo-Markt gekauft. Jedes Kind hat seinen Fuß selber gemessen und mir seine Größe gegeben. Sie haben dann diese Fußsohlen aus Papier ausgeschnitten, mit der Zeichenlehrerin zusammen, diese Papiere ausgemalt und Grüße für eine Montessorischule aus München geschrieben, die ab 15. Mai einen Marathon organisiert : "Kinder laufen für Kinder". Sie wollen dann einen Benefizbazar veranstalten, auf dem ich Harfe spielen soll. Diese Schuhsohlen werden dann als Hauptpunkt der Ausstellung sein, plus Fotos, und ich hoffe zum Beispiel auf dieser Weise auch bißchen Geld für die nächsten Schuhe zu bekommen. So lernen auch die Kinder von Kodjori sich zu vermarkten und selber zu arbeiten, für das was sie brauchen. Und daß sie wissen, daß "von Nichts kommt Nichts". Sie haben das mit großer Freude gemacht. Ich fahre jetzt mit ungefähr 60 "Sohlen" aus Pappe nach Hause... K.P.: Lernen die Kinder auch Deutsch? E.F.: Nein, wir begrenzen uns vollkommen auf Englisch. Wir hoffen, daß ein Teil der Kinder an dem Unterricht teilnimmt. Einige sind nicht in der Lage zu lernen. Wir denken, daß unser Unterrichtprogramm, die beste Vorbereitung für weiterführende Schulen oder für weitere Berufe ist. Dazu gehört eben Englisch. Aber wenn die Kinder 16 sind und das Waisenhaus verlassen, wollen wir durchaus, daß sie auch Deutsch erlernen, weil ich mir denken kann, daß ich das eine oder andere Kind, je nach Bedarf, auch mal für ein Jahr nach Deutschland kommen lasse. Ein Beispiel ist dieses Mädchen Alona. Sie wird ab nächstes Jahr oder übernächstes Jahr Deutsch lernen müssen und wenn sie in der Hebammenschule lernt, möchte ich gern einen Austausch organisieren zwischen der sehr bekannten Hebammenschule von München und dieser Schule hier. Dann könnte man dieses Mädchen kommen lassen und ihr ein Jahr lang mit großem Profit neue Techniken der Hausgeburt und der Geburtshilfe, neue Methoden des Babywickeln und der Babypflege aus Deutschland beibringen. So weiß sie, daß ich bereit bin das zu machen unter der Bedingung, daß sie Deutsch lernt. Ich kann sagen, daß wir ein Kind von A bis Z betreuen, ganz gezielt und bescheiden. K.P.: Danke für das Gespräch. |