"Die Fotografie ist ein Gedanke"

Salome Sanikidse

    Die "Kaukasische Post" möchte ihren Lesern den georgischen Fotografen Guram Zibachaschwili vorstellen. Der in Fachkreisen anerkannte Fotograf begann seinen Karriereweg in 80er Jahren, zu einer Zeit, als Fotokunst noch nicht so populär war. Damals waren alle Fotografen nur Liebhaber einer Leidenschaft. Mit der Zeit entwickelten sie sich zu einer professionellen Spezies. Während der kommunistischen Ära gab es in Georgien und allen anderen sowjetischen Ländern keine fotografische Ausbildung.
    Im Jahre 1985 fand Guram Zibachaschwilis erste Ausstellung statt. Diese begründete bereits seine Anerkennung als Fotograf.
    Später arbeitete er bei verschiedenen Zeitschriften und Verlagen. Parallel dazu war er in seinem Ausbildungsberuf als Chemiker tätig, den er vor 6 Jahren endgültig aufgab. Zur Zeit arbeitet er für zwei Zeitschriften und unterrichtet am Institut für Fotografie und neue Medien.

Rotes Herz mit Flügeln,
Photo von
Guram Zibachaschwili

    Kaukasische Post: Wie kamen Sie zur Fotografie?
    Guram Zibachaschwili: Als ich mit der Fotografie anfing, gab es nur wenige Leute, die im künstlerischen Bereich tätig waren. Natürlich gab es viele Fotografen, die bei der Presse arbeiteten. Das ich zur Fotokunst gekommen bin, war reines Glück. Die Maler Karlo Katscharawa, Niko Tseschladse, Mamuka Tseschaldse usw. schlugen mir vor, zusammen mit ihnen eine Ausstellung zu machen. 1987 und 1988 wurden meine Fotos neben ihren Gemälden in mehreren Ausstellungen präsentiert. Diese Ausstellungen waren für die Popularisierung meiner Fotos sehr wichtig.
    K.P.: Waren Sie in der Sowjetzeit inhaltlich und thematisch begrenzt?
    G.Z.: Zu Beginn meiner Arbeit in der Fotografie war die Ära der Sowjetunion bereits an ihrem Ende angelangt. Es begann die so genannte "Perestroika", und das Sowjetregime war schon auf dem Weg in den Untergang. Obwohl man in den Jahren 1983-85, als ich erste Ausstellungen organisierte, die Zensur nicht spürte. Als ich meine erste eigene Ausstellung im Jahre 1985 veranstaltete, wurde ich Mitglied des Klubs "Twalsazrisi" ("Ansicht"). Die Mitglieder dieses Klubs waren namhafte Fotografen wie zum Beispiel Jura Metschitow, Borja Schawerdiani, Dato Sulakwelidse. Damals lief gerade eine Porträt-Ausstellung und man hat diese Ausstellung als antisowjetisch eingestuft. Da sind Leute gekommen, die haben alles überprüft und mussten dann einsehen, dass diese Ausstellung gar nicht antisowjetisch war. Solche kleinen Unwägbarkeiten gab es immer, aber ich kann nicht sagen, dass ich unterdrückt war. Das damalige Regime konnten wir mit Fotografie nicht irritieren und darüber hinaus waren wir nicht eingeschränkt.
    K.P.: Können Sie sich an Ihre ersten Fotos erinnern?
    G.Z.: Leider gar nicht. Es sind einige Fotos erhalten geblieben, und wenn ich jetzt auf diese Fotos schaue, dann lächle ich immer.
    K.P.: Womit sind Sie zur Zeit hauptsächlich beschäftigt? Gibt es irgendwelche Projekte oder Angebote aus dem Ausland?
    G.Z.: Die professionelle Fotografie gibt es wirklich in Georgien. Was die Voraussetzungen betrifft, natürlich haben wir in Georgien nicht so gute Apparate wie in den westlichen Ländern. Obwohl es entsprechende Technik gibt, mit denen der Fotograf seine Ideen verwirklichen kann. Ein Foto ist ein bildlich eingefangener Gedanke. In der Fotografie ist nicht die Technik wichtig, das wichtigste ist das Denken. Der Fotograf muss im Rahmen seiner technischen Mittel denken. Man muss berücksichtigen, über was für eine Ausrüstung man verfügt. Auf dieser Basis kann man natürlich in Georgien Fotografie betreiben.
    K.P.: Was können Sie unseren Lesern über das Institut für Fotografie und neue Medien sagen?
    G.Z.: Dieses Institut habe ich zusammen mit Wato Zereteli gegründet. Natürlich hat Wato einen größeren Beitrag geleistet als ich. Es handelt sich um ein Lehrzentrum, in dem Studenten Fotografie und neue Medien erlernen können. Mit Wato verwirkliche ich verschiedene Projekte und veranstalte Ausstellungen. Vor kurzem fand eine Ausstellung statt, die Folteropfern gewidmet war. Vor einiger Zeit hatten wir eine Ausstellung für die kaukasische Fotografie organisiert. Leider gibt es zur Zeit vielfältige Probleme zwischen den kaukasischen Völkern. Meiner Ansicht nach hat diese Ausstellung eine wichtige Rolle gespielt, weil Fotografie eine Kunst ist, die die kaukasischen Völker miteinander versöhnen kann.
    Ich unterrichte auch an diesem Institut. Als Schwerpunkt habe ich die Theorie der Fotografie.
    K.P.: Wie schätzen Sie heutige Fotografen ein?
    G.T.: Heute ist im Unterschied zu den 80er Jahren das Interesse an Fotografie weit verbreitet und das nicht nur in Georgien, sondern in der ganzen Welt. Selbstverständlich kann ich nicht sagen, dass alle, die Fotografen werden, zum Profi geeignet sind. Aber eine persönliche Ausstrahlung wird jeder haben, was einem professionellen Fotografen ein breites Spektrum für sein Schaffen geben wird.
    K.P.: Was können Sie über Ihre zukünftigen Pläne sagen?
    G.Z.: Im September wird in Österreich eine Woche der georgischen Kultur veranstaltet. An dieser Veranstaltung werde ich teilnehmen und da wird auch meine Ausstellung präsentiert. Eventuell beginnt im September ein Lehrgang und damit werde ich auch beschäftigt sein.

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