Die deutsch-georgische Beziehungen sind freundschaftlich und vertrauensvoll

Interview mit dem deutschen Botschafter in Georgien Uwe Schramm

Uwe Schramm

    Kaukasische Post: Erzählen Sie bitte kurz über Ihre bisherige Tätigkeit.
    Uwe Schramm: Ich wurde am 31. Dezember 1941 in der Hansestadt Bremen geboren. Nach meinem Studium der Rechtswissenschaften in Bonn bin ich 1972 in den deutschen auswärtigen Dienst eingetreten. Wie es im diplomatischen Dienst üblich ist, wurde ich abwechselnd im In- und Ausland eingesetzt, wobei Georgien nun meine 10. Verwendung im Ausland nach Marokko, Polen, Liberia, USA, Südjemen, Ruanda, Vereinigte Arabische Emirate und Bangladesch ist. Im Verlaufe dieser Zeit habe ich gute Einblicke in viele zusammen mit meiner Frau in Georgien erweitern zu können.
    K.P.: Seit wann sind Sie in Georgien tätig? Was denken Sie über Georgien und wie schätzen Sie die heutige Situation ein?
    U.Sch.: Ich bin seit Mitte August letzten Jahres in Georgien tätig und fühle mich hier sehr wohl. Ich halte Georgien für ein Land, das sich über Jahrhunderte und auch durch die Zeiten der Sowjetunion hindurch das eigene kulturelle Erbe auf bemerkenswerte Weise erhalten hat. Georgien ist reich an Baudenkmäler und Kunstschätzen, die es zum einen für Kunstinteressierte und Wissenschaftler, zum anderen aber auch für Touristen interessant machen (Der Tourismus ist übrigens ein Wirtschaftszweig, der in Georgien in Zukunft eine große Rolle spielen sollte als bisher). Des weiteren haben sich Georgier ihre traditionelle Gastfreundschaft erhalten, die eine Reise durch das Land immer wieder zu einem Erlebnis werden lassen. Leider hat der Wechsel von Sowjetsystem zur Marktwirtschaft aber auch Negatives, wie die leider noch allgegenwärtige Korruption begünstigt, die es jetzt natürlich beim Namen zu nennen und zu bekämpfen gilt. Alles in allem sehe ich aber die Zukunft Georgiens, das sich auf dem richtigen Weg zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit befindet, durchaus positiv. Ich wünsche den Georgiern für die Bewältigung Ihrer diversen Problemen Kraft und Ausdauer.
    K.P.: Seit langem gibt es zwischen Georgien und Deutschland sehr gute Beziehungen. Was können Sie über diese Beziehungen sagen? Welche gemeinsame Zukunft haben diese beiden Länder?
    U.Sch.: Die deutsch-georgische Beziehungen sind freundschaftlich und vertrauensvoll. Ich hoffe natürlich, daß dieses gute bilaterale Verhältnis weiter ausgebaut werden kann. Vor allem im Kultur- und Wirtschaftsbereich könnten beide Länder noch mehr voneinander profitieren. So gibt es beispielsweise viele Berührungspunkte in den Wissenschaften. In Deutschland ist darüber hinaus die Rolle unvergessen, die Georgiens Staatspräsident Eduard Schewardnadse in seinem damaligen Amt als Außenminister der Sowjetunion bei der friedlichen Verwirklichung der deutschen Wiedervereinigung gespielt hat. Der gute Stand unserer Beziehungen ermöglicht uns heute eine enge Zusammenarbeit in vielen wichtigen Bereichen, z. B. bei der Unterstützung von Maßnahmen zur wirtschaftlichen und sozialen Stabilisierung des Landes. Für die meisten Bürger Georgiens sind diese deutschen Unterstützungsmaßnahmen beim wirtschaftlichen und sozialen Aufbau des Landes von großem Interesse. Dabei geht es zunächst um deutsche bilaterale Leistungen im Rahmen der technischen und finanziellen Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Ländern, die den Betrag von 200 Mio. Euro bereits überschritten haben. Ein durchaus wichtiges Element in den heutigen deutsch-georgischen Beziehungen bilden aber auch die etwa 2.500 – 3.000 deutschstämmigen Georgier, die sich oft ihre deutsche Kultur weitgehend erhalten haben und damit bereits im Vorfeld sozusagen Pionierarbeit für unsere Kulturarbeit geleistet haben, die nicht unerwähnt bleiben sollte.
    K.P.: Bis wann werden Sie in Georgien bleiben?
    U.Sch.: Üblicherweise werden Botschafter im deutschen auswärtigen Dienst etwa alle drei Jahre versetzt, wobei dieser Zeitraum im Einzelfall aber auch kürzer oder länger ausfallen kann. Ich werde Ihnen also voraussichtlich noch rund zwei Jahre erhalten bleiben und freue mich sehr auf die noch vor mir liegenden Jahre und die mit Ihnen verbundenen Aufgaben.