Gremi

Eter Mesurnischwili

Gremi

    Etwas mehr als 16 km von Telawi entfernt thront vor der Kulisse des Großen Kaukasus die mächtige Burganlage von Gremi über der nach Kwareli führenden Straße im Alasani-Tal am rechten Ufer des Flusses Inzob (480m über dem Meeresspiegel). Die ersten Siedlungen soll es auf dem Territorium Gremis bereits in der späten Bronzezeit gegeben haben. Zur Zeit König Leon I. (1520-74) war Gremi die Metropole des kachetischen Königreiches und eines der einflussreichsten Handelszentren mit erheblicher wirtschaftlicher und kultureller Bedeutung. Sie wurde als solche von Telawi abgelöst, als Schah Abbas Anfang des 17. Jh. bei seinem Verwüstungsfeldzug die Stadt einäscherte. Mauerreste von Wohnanlagen, Kirchen, einem Bad und einem Wehrturm liegen verstreut in der Ebene vor der Festung.
    Auf der recht gut erhaltenen Burg erhebt sich ein dicht gedrängtes Ensemble von drei Ziegelbauten, deren Substanz größtenteils noch aus dem 16. Jh. stammt: ein wuchtiger Donjon, die ihm vorgelagerte kleine Marienkirche und die große Erzengelkirche. Als Bauherr dieses Komplexes zeichnete Leon I. verantwortlich. Er ließ in dem dreigeschossigen Donjon – der Glockenturmaufsatz entstand erst im 19. Jh. – seinen Palast einrichten. Die dem Turm gegenüberliegende Erzengelkirche datiert aus dem Jahre 1565. Sie entspricht im Grundriß einer traditionellen Kreuzkuppelkirche mit freistehenden Pfeilern nur im Westen. Charakteristisch für den Sakralbau ist eine explizite Betonung aller vertikalen Bauglieder. Der schmale oktogonale Tambour erhebt sich wie ein Turmaufsatz über den Satteldächern der Kreuzarme, den benachbarten Donjon deutlich an Höhe übertreffend. Die Fassaden weisen eine differenzierte Blendbogengliederung auf, wobei die monumentalen Kielbogenblenden der Stirnseiten mit ihren aus dem Ziegelverbund ausgesparten Kreuzen an die etwa zeitgleichen Ziegelmuster des Wohnturmes von Ninozminda erinnern. Im Innern wartet die Erzengelkirche mit einem umfangreichen Freskenprogramm auf, das im Jahre 1677 vollendet wurde. Im Interieur an der Westwand ist der Erbauer der Kirche mit einem kleinen Kirchenmodell in der Hand abgebildet.
    Die umlaufende Kirchenmauer mit Schießlöchern (Gewehrlöcher) diente zugleich als Festung. Letztere wurde im 18. Jahrhundert von König Erekle II. saniert.
    Die Stadt Gremi nahm eine Fläche von etwa 50 ha ein, und bestand aus 3 Quartieren:

  1. Erzengelkomplex mit Erzengelkirche, dem dreigeschossigen Palast, Glockenturm sowie Wirtschaftsbauten wie z. B. Weinkeller mit Weinbottich (Weinpresse), Brennofen zur Anfertigung von kleineren Metallgegenständen usw. Dieser Stadtteil konnte selbständig leben. Er war mit einer Mauer mit vielen Türmen umgeben. Von hier aus verlief ein geheimer, steinerner Fluchtweg zum Fluss Inzobi.
  2. Königsresidenz, in der königliche Paläste, ein Gebäude mit einem Springbrunnen, ein achteckiger Turm, Badehaus aus Ziegelsteinen usw. angelegt waren.
  3. Handelsviertel, in dessen Zentrum sich eine rechteckige Markthalle und ein Gasthaus (Karawanserei) befanden.

    Die Markthalle war von allen vier Seiten von einer Reihe Duchans (Läden) umgeben. In der Mitte gab es einen kleinen Hof. Jeder Laden hatte eine Fläche von etwa 10 Quadratmetern und bestand aus einem Raum und einem zum Hof geöffneten Balkon (eventuell zur Ausstellung der Waren). Einige Duchans hatten sogar einen Keller. Insgesamt soll es hier etwa 30 Duchans gegeben haben. Östlich von der Markthalle stand ein rechteckiges, etwa 80m langes Gasthaus, in dem zu beiden Seiten des Korridors je 16 kleine Kammern angelegt waren. In diesem Viertel wurde bei Ausgrabungen ein Badehaus freigelegt, das ursprünglich für die in Gremi ankommenden Ausländer bestimmt war. Die Ablagerungen in den Röhren für die Wasserführung lässt darauf schließen, dass das Badehaus (Bad) im Laufe einer langen Zeit in Anspruch genommen wurde. Im 16. Jahrhundert wurde die Burg Gremi durch einen Kanal mit Wasser aus dem Fluss Lopoti versorgt. Die ganze Burgruine ist mit einen Netz von Keramikröhren für die Trinkwasserversorgung durchzogen.
    Durch die kleineren Kanäle floss das Wasser zur Versorgung der Bewohner und der große Kanal bewässerte die Gegend um die Burg. Im westlichen Teil der Burg stand eine Kirche aus Ziegelmauerwerk (16.Jh.). Unter den Fundsachen, die hier ausgegraben wurden, ist unter anderem wertvolle Importkeramik aus dem Iran und China.