|
"Das Alte bewahren, das Neue
willkommen heißen"
Deutsche Filmfachleute in Tbilissi
Thea Totogaschwili
 |
| Dodo Tschistchinadse mit Hagen
Keller, Foto: von T. Totogaschwili |
Hagen Keller, deutscher Student der Münchner
Hochschule für Filmwissenschaften, und seine Mitstreiter haben vom 1. bis
21. Mai Tbilissi besucht. Die Gruppe drehte hier einen Film mit dem Namen
"Der Tag ist da", in dem die allseits bekannte georgische
Schauspielerin Dodo Tschitschinadse die Hauptrolle spielt.
Die Idee dieses Projekts entstand im Oktober 2002, als
Hagen Keller zum ersten Mal zu Besuch in Georgien war. Damals zeigte ihm
sein georgischer Kommilitone von der Münchner Hochschule Wacho
Kunzew-Gabaschwili das alte Kinostudio in Tbilissi.
"Das war ein trauriges Bild. Dabei ist allgemein
bekannt, das in Georgien gute Filme gemacht werden. Mit diesem Film nun
wollten wir zeigen, daß es Menschen gibt, die noch Hoffnung auf
Veränderung haben. Es gibt immer jemanden, der diese Welt aus der Sicht
eines Künstlers betrachtet und sich auf seine Weise für die Sache
engagiert", sagt der Regisseur Hagen Keller.
Eine alte Dame ist die Hauptperson in diesem Film. Sie
hat ihre gesamte Familie verloren und lebt jetzt ganz allein. Sie hat
viele Jahre im Kinostudio als Schnittmeisterin gearbeitet und geht nach
der Einstellung des Kinobetriebs nun schon über zwei Jahre jeden Tag ins
Studio um hier ihren Erinnerungen nach zu hängen. Sie macht alles sauber
und geht am Abend wieder nach Hause. Neben dem Studiogebäude stehen schon
die Arbeiter bereit, die dieses Gebäude abreißen sollen. Die alte Dame
schützt das Haus indem sie jeden Tag hierher kommt und sauber macht. Und
sie schützt dieses Haus, weil sie ohne diese Dinge und diese Atmosphäre
nicht leben kann. Am letzten Tag, als die Arbeiter mit dem Abriss beginnen
wollen, schließt sie die Tür hinter sich zu. Sie setzt sich neben einen
zahmen Bären, ihren guten Freund und stirbt. Einer der Arbeiter bemerkt,
dass die Frau einen Film in ihren Händen hält. Er schaut sich diesen
Film auch an und sieht alle Dinge und Ereignisse so, wie die alte Dame es
mit ihren Augen gesehen hat.
"Der Bär ist ein Symbol, der Bär ist
stellvertretend für die alte Welt. Wie diese alte Dame." sagt Hagen
Keller.
Der Regisseur war überzeugt, dass diese Rolle genau zu
Dodo Tschitschinadse passt und wie für sie geschrieben ist, weil sie, wie
auch die Hauptperson, viel fürs Kino getan und geleistet hat. "Ich
spiele diese Rolle", so die Schauspielerin, "weil ich da auch
meinen inneren Schmerz sehe. Ich wollte die Rolle einer Frau spielen, die
ohne Ziel jeden Tag ins Studio kommt, einfach weil das für sie seelische
Nahrung ist. Es tut mir persönlich weh, dass es das alte georgische Kino
nicht mehr gibt. Aber ich bin zuversichtlich, dass sich etwas neues
entwickeln wird".
zurück |