Strawalde in Tbilissi

Anano Koplatadse

Jürgen Böttcher (Strawalde) - Maler und Regisseur; Lebt in Berlin;
Geboren 1931 in Frankenberg, Sachsen; Kindheit und Jugend in Strawalde;
1949-53 Studium der Malerei an der Hochschule für Bildende Künste, Dresden (1951-53 bei Wilhelm Lachnit);
1953-55 freischaffend in Dresden, Lehrer an der Volkshochschule (Zeichenkurse);
Begegnung mit Peter Hermann, Peter Graf, Ralf Winkler (A. R. Penk);
1955-60 Regie-Studium an der Hochschule für Filmkunst, Babelsberg;
Seit 1960 Regisseur im DEFA-Studio für Dokumentarfilm, Berlin;
1989 Mitglied der Akademie der Künste, Berlin (West);
Zur Zeit diverse Ausstellungen in Deutschland, zuletzt im Kanzleramt;

Jürgen Böttcher in Tbilissi, Foto: A. Koplatadse

    Vom 27. bis 29. Mai 2003 besuchte der renommierte deutsche Künstler und Dokumentarfilmer Jürgen Böttcher (Strawalde) das Goethe-Institut in Tbilissi. Am 27. Mai hatte sein Dokumentarfilm "In Georgien" im Kino Amirani Premiere. Einen Tag später wurde seine Personalausstellung eröffnet, bei der auch ein Dokumentarfilm über sein Schaffen gezeigt wurde. Vor der Eröffnung gab es ein Treffen mit Journalisten, bei dem zwei Dokumentarfilme von Strawaldes Sohn Lucas Böttcher "Happy New Year" und "Fashion Show" aufgeführt wurden. Am 29. Mai wurde "In Georgien" noch einmal gezeigt.
    Die Kunst des Filmregisseurs und Malers Jürgen Böttcher (Strawalde) ist von Kindheitserlebnissen und durch seine Wahrnehmung der Europäischen modernen Kunst geprägt. Kindheitserinnerungen, die Schrecken des Zweiten Weltkrieges, der italienische Neorealismus, Dokumentarfotografie, die Italienische Malerei des 15.-17. Jahrhunderts, der französische Impressionismus und die Kunst Rembrandts und Picassos nähren gleichermaßen die schöpferische Phantasie von Strawalde.
    Seine Malerei ist unverschönt und harmonisch. Als Filmregisseur ist Jürgen Böttcher Minimalist, eine minimale Ästhetik und eine außergewöhnliche Fähigkeit, die Nuancen wahrzunehmen, verleihen seinen Filmen einen avantgardistischen Charakter. Und sie vermitteln den Zuschauern die Schönheit des Alltags.
    Strawalde vereinfacht bewußt die von Picasso entdeckten Figuren noch in den Bildern der 50er Jahre. Die Strawald’schen Interpretationen der modernen Malerei sind absolut frei. In den 50er Jahren vermittelt Strawalde seine eigene Wahrnehmung der Malerei auch seinen zukünftigen Dresdner Kollegen und Freunden Ralf Winkler (A. R. Penk), Peter Graf, Peter Hermann und Peter Makkolier. Das Ergebnis ihrer Diskussionen über Kunst waren gemeinsamen Werke, in denen die Kunst von Picasso und Rembrandt wieder einen besonderen Platz einnimmt.
    In der zweiten Hälfte der 50er Jahre studiert Böttcher in der Filmhochschule in Babelsberg. Von nun an kommt noch ein anderer Kunstbereich in sein Leben: Filmkunst. Die Dokumentarfilme dieses Regisseurs offenbaren eine sensible Wahrnehmung der Dinge und der Menschen. Diese Filme erzählen über die ostdeutsche Realität, wie sie der Regisseur gesehen hat.
    Nach jeder Reise entdeckt der Maler Dinge, die er später auf seinen Gemälden abbildet.
    Strawaldes Interpretationen von Giorgiones und Manet`s Reproduktionen sind zugleich
eine spielerische Anerkennung und ein Dialog mit moderner europäischer Malerei.
    Strawalde ist im Kino und in der Malerei ein Anhänger der klassischen Moderne. 

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