Im Dienst der Jugendausbildung

Das Kulturkolleg Tbilissi stellt sich vor

Interview geführt von
Eter Mesurnischwili

    Im Jahr 1997 wurde im Staatlichen Kulturinstitut Tbilissi (heute: Staatliche Universität für Kultur) das Kulturkolleg eröffnet. Das Studium dauert 3 Jahre. Im Kolleg werden die Schüler der 9. Klasse der Mittelschulen aufgenommen. Die Absolventen des Kollegs erhalten Diplome der Mittleren Beruflichen (Fach-) Ausbildung. Die ausgezeichneten Studenten, die außer den besten Leistungen auch Diplomanden der Wissenschaftlichen Konferenzen sind, werden nach dem Abschluß des Kollegs ins II. Studienjahr des Kulturinstituts (Staatlicher Sektor) übernommen.
    Die "Kaukasische Post" hat die Direktorin des Kulturkollegs, Frau Manana Tschagelicshwili interviewt.
    Kaukasische Post: Was hat die Gründung des Kollegs bedingt, mit welchem Ziel wurde es eröffnet?
    Manana Tschagelischwili: Die Idee der Gründung stammt vom Rektor der Staatlichen Universität für Kultur und Kunst, Herrn Temur Schgenti. Wir sind der Meinung, daß es auf unserem Arbeitsmarkt eine große Lücke gibt, und zwar fehlt in vielen Bereichen qualifiziertes Personal. So hatten wir von Anfang an zwei wichtige Probleme zu lösen: den jungen Leuten berufliches Wissen zu vermitteln und dadurch qualifiziertes Personal auszubilden. Wir hatten die Absicht, nicht nach dem allgemeinen Schema zu unterrichten sondern immer nach etwas Neuem zu suchen. Dazu wurden spezielle Lehrprogramme und Methoden entwickelt, die auch heute noch vervollständigt und verfeinert werden. Wir versuchen mit der Ausbildung professioneller Reiseführer, Dolmetscher, Bürorefferenten, Ökologen, Choreographen, Fotomodells, Bildhauer usw. diese große Lücke wenigstens zu einem Teil zu schließen.
    K.P.: Die Institution des "Kollegs" ist in Georgien relativ neu. Es hat sich hier erst nach dem Umbruch durchgesetzt. Wie wird Ihr Kolleg von der Gesellschaft aufgenommen?
    M.Tsch.: Die Idee der Kolleg-Ausbildung setzt sich in Georgien erst allmählich wirklich durch. Sie nimmt zusammen mit den westlichen Erfahrungen auch auf unsere örtlichen Speziphika in Rücksicht. Das bereits existierende Konzept wird bearbeitet und erneuert. Der Lehrprozeß wird dementsprechend auf ein neues Konzept transformiert. Der Zuspruch zu unserem Programm beweist die Richtigkeit unserer Wahl. Uns freut, daß nicht nur die Anzahl sondern auch die Qualität unseres Kontingents immer besser wird. Unsere Studenten kommen nicht nur aus der Hauptstadt sondern auch aus den Regionen, und bei uns studieren Kinder aller sozialen Schichten.
    K.P.: Wodurch unterscheidet sich das Kulturkolleg von ähnlichen Lehranstalten, weswegen sollten es die Kinder und ihre Eltern anderen vorziehen?
    M.Tsch.: Unser Kolleg gibt den Studenten neben der allgemeinen Bildung einen Beruf. Deswegen werden bei uns die Fächer besonders akzeptiert, die für die Berufliche Spezialisierung wichtig sind. Parallel zum Studium machen die Studenten Praktika. Damit lernen sie den realen Alltag ihres beruflichen Lebens kennen. Zur Entwicklung und Ausbildung der Kollegstudenten leisten einen besonderen Beitrag unsere Lektoren, die den Lehrprozeß nicht nur nach Standardprogrammen sondern auch nach modernen Methoden führen. Letztere fußen nicht nur auf modernen georgischen und ausländischen Erfahrungen sondern auch auf individuellen Einstellungen. Dies ist nach unserer Meinung sehr wertvoll als eine einzigartige Tendenz für den Lehrprozeß.
    K.P.: Was bedeutet eine "individuelle Einstellung"?
    M.Tsch.: Die individuelle Eistellung bedeutet, daß immer nach neuen Formen gesucht wird, die die Studenten zum Lernen motivieren sollen. Solche Einstellungen diktiert uns der Arbeitsmarkt.
    K.P.: Im Kolleg werden ständig Innovationen durchgesetzt. Können Sie kurz darüber erzählen?
    M.Tsch.: Innovationen haben wir wirklich viele. Im Kolleg wird dem Fremdsprachenunterricht große Aufmerksamkeit geschenkt. Dafür werden professionelle Methoden verwendet. Wir pflegen Kontakte und Zusammenarbeit mit den ausländischen Lehrzentren in Georgien, wie z. B. dem Goethe-Institut usw. Im Fremdsprachenunterricht haben wir eine dreistufige Unterrichtsform eingeführt, was eine gute Beherrschung der Sprache fördern soll. Es werden Treffen veranstaltet, wo sich die Pädagogen mit bekannten Fachleuten und berühmten Persönlichkeiten, mit Profis treffen. Die Gespräche und Diskussionen mit ihnen sowie ihre Ratschläge helfen den Lektoren, den Lernprozeß mit Hilfe moderner Methoden und praktischen Übungen noch interessanter und motivierender zu gestalten. Dies hat dazu geführt, daß in einigen Fächern neue, für die berufliche Orientierung geeignete Lehrbücher erstellt wurden.
    Noch eine weitere interessante Form des Lernprozeßes im Kolleg ist die "Wissenschaftlich-Schöpferische Konferenz", die einmal im Jahr, Ende April zu den "Studentischen Tagen" in Tbilissi veranstaltet wird. In diesem Jahr fand die V. Konferenz statt, die in zwei Teile: den Wissenschaftlichen und den Schöpferischen, stattfand. In jedem Teil gab es 4 Sektionen. Von 8 Sektionsgewinnern bekamen zwei den "Grand Prix".
    Das thematische Spektrum der Konferenzen ist sehr breit und interessant. Die Studenten gewinnen dadurch auch wichtige Erfahrungen im Umgang mit Büchern und anderen Informationsquellen.
    K.P.: Das Kulturkolleg befindet sich im Gebäude der Tbilisser Staatlichen Universität für Kultur. Welchen Bezug hat das Kolleg zur Universität?
    M.Tsch.: Zwischen dem Kolleg und derUniversität gibt es einen Vertrag, laut dem die besten von unseren Kollegstudenten an den fachverwandten Fakultäten der Universität im staatlichen Sektor immatrikuliert werden. Diese Tatsache ist eine zusätzliche Lernmotivation für unsere Studenten.

zurück