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Wachsende Kluft zwischen Arm und Reich Nino Narimanidse-Kachischwili, Wirtschaftswissenschaftlerin Das Thema der vorliegenden Arbeit
lautet "die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich durch
Globalisierung". Gemeint wird damit eine steigende Ungleichverteilung
des Sozialprodukts auf die Bevölkerung. Globalisierungskritiker benutzen
diese Thesen gerne, beispielsweise Attac. Diese letzte Frage zieht aber gleich eine weitere nach sich. Ist eine wachsende Kluft sofern sie tatsächlich existiert - überhaupt schlimm? Die Globalisierungskritiker behaupten, dass in den letzten 30 Jahren die Einkommensungleichverteilung gestiegen sei. Und folglich führe dies zu einer Spaltung der Gesellschaft in Arme und Reiche. Als Auslöser dieser Entwicklung sehen die Kritiker die (angebliche) Ausbeutung der Entwicklungsländer durch die Industrieländer. Aber trifft dies wirklich zu? Selbst wenn manche dieser Fragen mit einem "Ja" beantwortet werden müßten, würde dies wenig bis nichts über deren Bedeutung aussagen. Stellen wir beispielsweise eine wachsende Ungleichverteilung des Einkommens fest - wächst also das Einkommen der Reichsten 10% der Bevölkerung schneller als das Einkommen der Ärmsten 10% der Bevölkerung - weiß man noch immer nicht, wie sich die (absolute) Armut verändert hat. Sie kann unverändert geblieben sein oder zu - bzw. abgenommen haben. Folglich müssen wir auch die Höhe der Einkommen in die Betrachtung einbeziehen. Wachsende Ungleichverteilung Wenn man sich den Human Development
Report des United Nations Develoment Project vgl.(1999,S36) anschaut (der
gerne von Attac (2002) u.a. zitiert wird), wird man feststellen, dass die
weltweite ungleiche Einkommensverteilung zugenommen hat. Dieses Ergebnis
hält auch weiteren Untersuchungen vgl. z.B. Dowrick und Akmal (20019
stand. Insofern haben Globalisierungsgegner recht. Milanovic stellt einen Anstieg des Gini - Koeffizienten von 63 im Jahr 1988 auf 65 im Jahr 1998 fest (vgl. Milanovic (2002) S.21) Laut Dowrick und Akmal stieg der Gini - Koeffizient von 61,5 (1980) auf 62,3 (vgl.Dowrick und Akmal (2001) S.26) Wie kommen diese Autoren auf steigende Ungleichverteilung? Dowrick und Akmal haben festgestellt, dass es neben der oben erwähnten Handelsverzerrung bei Vernachlässigung der Kaufkraft auch zu einer Verzerrung bei Verwendung des KKP - PKE kommt. Hier kommt die Substitutionsverzerrung zum Tragen. Ein internationaler Vergleich von Pro - Kopf - Einkommen, welcher die Aufwändungen zu konstanten Preisen wie im PWT) bewertet, unterschätzt die wahre Kaufkraft, wenn der ständige Preisvektor dem eines reicheren Landes, zum Beispiel eines Industrielandes, entspricht. Entspricht der Preisvektor dagegen dem eines ärmeren Landes, wird die tatsächliche Kaufkraft überschätzt. Die Verzerrung ist somit eine Funktion, die abhängig ist vom Abstand zwischen dem Referenzpreis und dem Inlandspreis. Je größer die Differenz zwischen Inlandspreis und Referenzpreis ausfällt, desto größer ist somit auch die Verzerrung et vice versa. Leben wir also doch in einer Welt mit steigender Ungleichverteilung? Sinkende Ungleichverteilung Ob die Ungleichverteilung zunimmt,
ist zum Ärger der Globalisierungskritiker aber doch nicht so klar und
eindeutig. Es gibt Autoren, die zu dem Ergebnis kommen, dass die weltweite
Ungleichverteilung des Einkommens zurückgegangen ist. Laut Sala -i -
Martin gibt es berechtigte Kritik an den obigen Ergebnissen. Dowrick und
Akmal beschränken sich auf Länder, bei denen Gini-Daten vorhanden sind.
Ein Problem dabei ist, das gerade die ärmsten Länder diese Daten nicht
haben. Damit fallen aber diese Länder aus ihrer Untersuchung heraus. Dies
führt zu einer Verzerrung der Ergebnisse. Bei Schultz kritisiert Sala- i
- Martin, dass er mit Hilfe von Deininger und Squire Daten (1996)
versucht, die fehlenden Gini - Koeffizienten mit Rückblick auf die Gini
-koeffizienten anderer Länder vorherzusagen. Der Rückgang in der weltweiten Einkommensungleichheit wird erklärt durch die stärker zurückgegangene Ungleichverteilung zwischen den Ländern. Vergleicht man die Einkommensverteilung zwischen den Ländern mit der weltweiten Einkommensverteilung so erkennt man dass der Gini - Koeffizient zwischen den Ländern geringer ist als der Gini - Koeffizient der globalen Einkommensverteilung. Alles zusammen führt zu einem Sinken der Ungleichverteilung. Doch lässt sich festhalten dass das enorme Wachstum von Indien und China, allerdings verbunden mit steigender Ungleichverteilung beim Einkommen innerhalb der beiden Länder, zu einem Rückgang der weltweiten Einkommensungleichheit geführt hat. Folgerungen Eine klare, eindeutige
Aussage lässt sich nicht treffen. Das belegen die gezeigten Analysen. Je
nach Messverfahren erhält man einen anstieg oder einen Rückgang der
globalen Ungleichverteilung. Einige Ergebnisse sind aber trotz allem
unstrittig. |