Vom alten zum neuen "polnischen Haus" in Georgien

Handeln und Zukunft der polnischen Gemeinde in Georgien

Maja Kobaidse

Die Mitglieder der polnischen Gemeinde

    Die polnische Gemeinde "Polonia" besteht in Georgien nun schon seit 10 Jahren. Die Beziehungen zwischen den Ländern Polen und Georgien begannen schon viel früher vor ca. 500 Jahren. Im 18. Jahrhundert hatte die Politik Polens einen starken Abwanderungstrieb seiner Bewohner in den Kaukasus zur Folge. Die Georgier polnischer Abstammung haben in Georgien eine lange und wechselvolle Geschichte.
    Gegründet wurde die polnische Gemeinde in Georgien von der Professorin Maria Filina.

Die "Kaukasische Post" hat mit Frau Filina ein Interview geführt:

    K.P. Woher kommt die Idee in Georgien eine polnische Gemeinde zu gründen?
    Maria Filina: Das hat direkt etwas mit den Wurzeln meiner Familie zu tun. Meine Großmutter, die Mutter meiner Mutter, war Polin - Maria Sawada, die in mir und meinem Bruder eine große Liebe zu Polen, zu den polnischen Menschen, zu seiner Kultur weckte. Bis zum Ende ihres Lebens nannten wir sie Mutter Maria. Unser Haus war als das "Polnische Haus" bekannt. Fast jeder Pole, der nach Tbilissi kam, besuchte unser Haus. Dazu gehörten bekannte Schriftsteller, Wissenschaftler, Maler, Architekten. Seit dieser Zeit hatte ich den Wunsch hier in Georgien eine polnische Gemeinde zu gründen.
    K. P. Ihr Wunsch wurde verwirklicht, wie kam es dazu?
    Maria Filina: Als ich an meiner Doktorarbeit über die kulturellen Beziehungen zwischen Polen und Georgien schrieb, wurde ich nach Polen, nach Tarnov eingeladen. Dort findet jedes Jahr das Forum der polnischen Presse statt. Es wurde viel über die kasachischen Polen gesprochen, für die in dieser Zeit sehr viel Interesse bestand. Ich sollte ebenfalls eine Rede halten und ich habe die Gelegenheit genutzt über die georgischen Polen zu erzählen. Ich beschrieb die Seelenverwandtschaft zwischen Polen und Georgiern, und das die Georgier ebenso wie die Polen in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten des Umbruchs leben. So fing das alles an. Der Präsident der polnischen Weltorganisation "Gemeinde von Polen" unterstützte uns damals und setzt die Hilfe auch jetzt fort.

Maria Filina und ihre Kollegin in Polen

    K.P. Wie sieht diese Hilfe genau aus?
    Maria Filina: Es ist nicht viel, was sie für uns tun können, aber durch die finanzielle Unterstützung können wir wenigstens die Kosten für unser Büro und für unser medizinisches Zimmer in der Poliklinik decken. Im Büro haben wir eine kleine Bibliothek, die aus einer kleinen Reihe Bücher in polnischer Sprache brdiograph erhalten. Wir bekommen auch Arzneien. Inzwiesteht. Neulich haben wir ein Ultraschallgerät und einen Kaschen wurden eine Gruppe Studenten und neun Hochschulabsolventen zum Studium nach Polen geschickt. Die polnische Organisation übernimmt alle Kosten.
    K.P. Gab es Fälle, in denen georgische Polen die polnische Staatsangehörigkeit zurück erhielten und wieder nach Polen umsiedelten?
    M. F.: Seit etwa 3 Jahren gibt es in Polen ein neues Gesetz, nach dem jeder in Georgien lebende Pole die polnische Staatsangehörigkeit erhalten kann und zukünftig in Polen leben darf. Aber dieses Gesetz stellt sehr hohe Anforderungen. Es gibt einen Fragebogen über achtzehn Seiten in dem ausführlich Auskunft gegeben werden muss. Es gab nur einige wenige Fälle.
    K.P. Wie viele Mitglieder zählt die Gemeinde heute?
    M. F.: Die Gemeinde zählt heute ca. 900 Mitglieder. Sehr viele sind Frauen und Rentner, die unter schwierigen ökonomischen Verhältnissen und in schlechtem gesundheitlichen Zustand leben. Früher zählte unsere Organisation noch mehr Mitglieder, aber viele Männer aus unserer Gemeinde arbeiten jetzt im Ausland um Geld zu verdienen und um ihre Familien zu ernähren.
    K.P. Wie sieht das Gemeindeleben aus und was ist die Aufgabe der Gemeinde in nächster Zukunft?
    M. F.: Wir kennen noch andere Gemeinden in Tbilissi. Ich stehe in engem Kontakt mit den Leitern dieser Gemeinden. Früher trafen wir uns bei Zurab Schwania in Waschlidshwari, der sich unsere Probleme anhörte und gemeinsam mit uns nach Lösungen suchte. Wir tauschten unsere Erfahrungen aus.
    Wir möchten natürlich unsere polnischen Traditionen pflegen. So veranstalten wir oft interessante Ausstellungen, Feste, Abende in der Gemeinde. Letztes Jahr fanden in Tbilissi im Kinohaus 4 kleine polnische Filmfestivals statt. Die Idee kam von Herrn Butanovski von der polnischen Botschaft. Dort wurden Spiel- und Dokumentarfilme von jungen polnischen Regisseuren und von M. Drigas und Kschischtof Sanus gezeigt. Im Oktober wurde das erste Konzert mit dem berühmten Pianisten Paderevski im Konservatorium veranstaltet. Der Eintritt zu unseren Veranstaltungen, Festivals und Konzerten ist frei. Vor kurzem fand in der Nationalbibliothek die Präsentation von zwei Büchern statt: "200 Jahre Polen im Kaukasus" und ein Buch des Dichters W. Waschenborska. Bald werden wir noch die Präsentation von zwei weiteren Büchern erleben. Eines wird über den Dichter Galtschinski berichten, der mit der Georgierin Natalia Awalischwili verheiratet war. Wir werden auch eine Bücherpräsentation zusammen mit der polnischen Botschaft initiieren. Die Bücher sind auf georgisch und polnisch.
    In diesem Jahr feiern wir den 10. Jahrestag unserer Gemeinde. Wir planen eine kulturwissenschaftliche Konferenz zusammen mit den Universitäten von Warschau und Posen (Poznan), sowie eine Konzertveranstaltung, die Herausgabe eines Albums mit Fotografien aller georgischen Polen, die in Georgien wirkten und bedeutend waren.
K.P.:
Danke für das Gespräch.