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Die schönsten Weihnachtsbäume kommen jetzt aus Georgien
Sorgfältig erforschte und ausgewählte Herkünfte der Nordmannstanne entscheiden über die Qualität künftiger Weihnachtsbäume Udo Hirsch Aufbauend auf bisherige wissenschaftliche Erkenntnisse zurückliegender Expeditionen in die Herkunftsgebiete des Kleinen und Großen Kaukasus fand auch in diesen Jahr eine weitere Reise statt, die die deutsche Firma Geigle Samen mit der georgischen CUNA Georgica, der Gesellschaft zur Förderung der Kultur und der Natur in Georgien organisierte. An der durch die Herren Prof. Dr. J. Matschke, K. Moser und Udo Hirsch geleitete Exkursion beteiligten sich Praktiker aus verschiedenen Ländern, sowie Verantwortliche des georgischen Umweltministeriums.
Die Reise hatte zum Ziel die in den zurück liegenden Jahren erarbeiteten Erkenntnisse über die speziellen Herkünfte der Nordmannstanne erneut zu überprüfen und die gegebenen Unterschiede hinsichtlich der Qualität der Bestände zu verdeutlichen. Dazu wurden die Herkunftsgebiete des Kleinen und Großen Kaukasus wie Ambrolauri, Zarsma, Borjomi, Adigeni bis Beshumi aufgesucht. In jedem größeren Herkunftsgebiet zeigte sich abgesehen von unterschiedlichen Höhenlagen, unterschiedlichen Qualitäten der Bestände aber vor allem der Bäume in diesen Gebieten. Die Qualitäten ergeben sich nicht nur aus einer unterschiedlichen Heterogenität der Bestände, sondern aus recht unterschiedlichen Merkmalen der Mutterbäume, ihres Längenwachstums in Abgängigkeit der Bodenverhältnisse, des Höhen- zu Breitenverhältnis der Bäume, Knospen- bzw. Quirlansätze, ihrer Aststellung, der Nadelform- und farbe, der der Altersstruktur der Bestände, des Mischungsanteiles mit Laubbäumen sowie des Gesundheitszustandes. Allen Beteiligten der Exkursion wurde eindeutig klar, daß die künftige Qualität der anzuziehenden Sämlinge und der daraus erwachsenden Weihnachtsbäume nur von einer eindeutigen Selektion entsprechender Bestände aus definierten Höhenlagen, ihres Gesundheitszustandes sowie der zu bevorzugenden Auslesebäumen abhängig ist. Den Praktikern wurde deutlich, daß es sich bei den besuchten Beständen nicht ausschließlich nur um autochtone Bestände handeln kann. Für einige Gebiete zeigte sich, daß nach Waldbränden sowie Vernichtung größerer Flächenareale ein nicht nachvollziehbarer unterschiedlicher Aufwuchs mit ein hohem Mischungsanteil vorhanden ist. Deutlich wurde, daß es sinnvoll ist, die größeren Herkunftsgebiete einzugrenzen und in diesen Beständen die Bäume mit hervorragenden Eigenschaften bei der Ernte zu selektieren sowie die Nachkommen auf den Anbaustandorten in Westeuropa kontinuierlich zu überprüfen. Erste Versuche sind mit Sämlingen des Saatgutes ab den Ernte des Jahres 1996 angelegt worden. Bestimmte Höhenlagen und damit Austriebszeitpunkte der Bäume in den europäischen Anbaugebieten, ein anzustrebendes Höhen- zu Breitenverhältnis der Auslesebäume, eine ausgeglichene Naturverjüngung sowie der Gesundheitszustand der Bestände der Herkunftstandorte sind nur einige Beispiele die bei der Auswahl der zu beerntenden Herkunftsgebiete im Kaukasus wichtig sind. Frühere europäische Herkunftsversuche, basierend auf Saatgut/Sämlingen aus sehr großen Einzugsgebieten wie z.B. Ambrolauri, Bordjomi, Savsat oder Arkhyz sind nur wenig aussagekräftig, da sich die Qualität der Nachkommen in Abhängigkeit der jährlich wechselnden Ernten ständig ändern wird. Zielstellungen in Versuchen wie z.B. Selektion der Herkünfte nach Frost- oder Winterhärte der Bäume sind dabei weniger interessant, da die Nordmannstanne ohnehin über diese Eigenschaften verfügt. Die Schwerpunkte müssen deshalb auf wesentlichen Zielstellungen des Weihnachtsbaumes bezogen sein. Während beispielsweise in Europa und den USA die Herkunftsgebiete netzartig katasterisiert sind, fehlt dieses nach Zielstellungen des Weihnachtsbaumanbaues in den georgischen Beständen noch vollends. Dabei sind einige Bestände den georgischen Erntefirmen noch nicht einmal bekannt gewesen. Eine systematische Eingrenzung der Herkunftsgebiete lässt noch zu wünschen übrig. Die Benennung grösserer Bestände erfolgte lediglich nach den Ortsnamen wie z.B. Ambrolauri, Ambrolauri-Tlugi usw., ohne bevorzugte oder schlechtere Bestände auseinander zu halten. Aus diesem Grunde wurde seit dem Jahr 1996 von der Geigle Samen Herkunftsgebiete mit Nummern beziffert, die mit einem GPS-Navigator zur Ortsbestimmung exakt eingegrenzt und jeder Zeit nachvollziehbar sind. So entspricht z. B. die Nr. 163.96/2 eine der Herkünfte aus Ambrolauri oder die Nr. 173.96 einem eingegrenzten Gebiet im Bereich von Borjomi. Die Teilnehmergruppe konnte aktuell feststellen, daß sich die Erntesituation in Georgien nicht optimal entwickelt hat. Nicht nur extreme wirtschaftlich-politische Aspekte, sondern der unzureichende Zapfenbehang der Bäume erschweren derzeit die Situation. Dennoch wird auch in diesem Jahr Qualitätssaatgut verschiedener Herkunftsgebiete für deutsche Baumschulen zur Verfügung stehen. Erstmalig konnten die Praktiker erkennen, wie kompliziert die Vorbereitungsarbeiten für die fachgerechte Ernte, Aufarbeitung, Lagerung sowie Transport unter den äusserst komplizierten georgischen Bedingungen sind, und das Saatgut in keinem wirklichen Preis- zu Leistungsverhältnis steht. Beispielgebend, daß die Ernte auch in diesem Jahr reibungslos durchzuführen ist, arbeitet die Firma Geigle mit ihren vor Ort arbeitenden Partnern engstens zusammen. Auch die diesjährige Exkursion wurde von den Partnern trotz extremer und widriger Umstände in hervorragender Weise organisiert, wobei recht heikle Situationen überstanden werden mußten. Fazit der Reise: Die Reisegruppe erkannte deutlich die Bestrebungen der deutschen Firma Geigle Samen, Qualitätssaatgut in definierten Herkunftsbeständen zu ernten und in Zusammenarbeit mit der CUNA Georgica eine nachhaltige Nutzung der Bestände sicher zu stellen. Dazu wird es wichtig sein die begonnenen Arbeiten zur Beerntung von Auslesebäumen kontinuierlich fortzusetzen und zu intensivieren. Neben fachlichen Aspekten wurden die Erkenntnisse durch die georgische Gastfreundschaft bis in die tiefe Nacht deutlich abgerundet. Exkursionen zur Selektion von wertvollen Beständen der Nordmannstanne werden noch in diesem Jahr in den von Georgien aus nicht zugänglichen Teilen des nord-westlichen Kaukasus fortgesetzt. |