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Dem Geiste und dem Weine
In der Klosterakademie von Ikalto wurden Wissenschaften und Weinbau gleichermaßen gepflegt Eka Sakalschwili Das Kloster Ikalto befindet sich in dem gleichnamigen Dorf in Kachetien, sechs Kilometer entfernt von Telawi. Es wurde von einem der 13 syrischen Väter, Zenon Ikaltoeli, in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts gegründet. Die Heilig-Geist-Kirche ist die Hauptkirche des Klosters. Einigen Überlieferungen zufolge soll der Heilige Zenon hier sogar begraben sein. Die Kirche ist ein Kreuzkuppelbau aus Travertin und Feldstein mit Portiken im Süden und Norden. Ihr Fundament datiert zurück ins 8. oder 9. Jahrhundert, das Gebäude, wie man es heute sieht, ins 10. bis 12. Jahrhundert, der Glokkenturm im Westteil wie auch die Kuppel stammen aus dem 19. Jahrhundert.
Die weiß verputzten Kirchwände und die rote hohe Kuppel heben sich wunderschön vom grünen Hintergrund der Berge ab. Der untere Teil der Hauptkirche und die umliegenden Gebäude sind zwischen riesigen Zypressen, Nuss- und Lindenbäumen versteckt. Der ganze Komplex des Klosters ist umgeben von einer Mauer. Aus dem 6. Jahrhundert sollen die zweigeschossige Basilika der Heiligen Dreifaltigkeit nordöstlich von der Hauptkirche und die kleine Allerheiligenkapelle im südlichen Teil des Klosterkomplexes stammen. Erstere wurde jedoch im 19. Jahrhundert stark verändert. Innerhalb der Mauer liegen auch die Ruinen des Refektoriums, das ins 8./9. Jahrhundert datiert wird und die zweigeschossige Akademie. Die Akademie von Ikalto gründete der georgische Philosoph Arsen Ikaltoeli im Auftrag von König David dem Erbauer im 12. Jahrhundert. Arsen Ikaltoeli studierte an der Mangana-Akademie in Konstantinopel und bildete sich zum Philosophen und Rechtwissenschaftler aus. 1114 kehrte er nach Georgien zurück. Zunächst kam er an die berühmte Akademie in Gelati in Westgeorgien und arbeitete dort mit Joane Petrizi zusammen, einem bekannten Philosophen jener Zeit. Dann siedelte er nach Kachetien über und gründete dort die Ikalto-Akademie. Die letzten Jahren seines Lebens verbrachte er im Kloster von Schio-Mgwime (bei Mzcheta). Nach seinem Tod wurde er in Ikalto, im Hof der Akademie, in der Dreifaltigkeit-Kirche begraben. Die Ikalto Akademie wurde 1616 von Schah Abbas I. zerstört. 1938 wurden um das Hauptgebäude archäologische Arbeiten durchgeführt. Die Menge der noch erhaltenen Einzelbauten verweist darauf, wie groß die gesamte Anlage einmal gewesen sein muss. Heute stehen immerhin noch 20 Bauten, nach alten Quellen zählte man hier insgesamt sogar 59. Neben der Akademie sind unter anderem die Ruinen eines Weinkellers und einer Kelterei erhalten geblieben. Wenn man bedenkt, dass das Kloster in Kachetien gelegen war, erstaunt es nicht, dass Weinbau und Weinzubereitung einen besonderen Schwerpunkt hatten. Es gab eine Vielzahl großer Keltereien auf dem Gelände. Um das Kloster herum an den Berghängen und auch in der Ebene waren großzügige Weingärten angelegt. Bei den Ausgrabungen zeigte sich auch, dass in der Akademie in Ikalto neben den damals gängigen Wissenschaften - Theologie, Philosophie, Astronomie, Rhetorik - und neben dem Weinbau andere Handwerke gepflegt wurden. Eine ganze Schmiedewerkstatt konnte freigelegt werden, die Archäologen fanden bemerkenswerte Keramikarbeiten aus dem 12. Jahrhundert und silberne Münzen der Dynastie von Sepiani. |