Ohne Ökologie kann sich die Ökonomie nicht entwickeln

Konferenz über die wirtschaftlichen und ökologischen Probleme von Tuscheti

Maia Tschitaia

"Wir müssen zusammenhalten." Das war das Motto der Umweltkonferenz, die am 4. Juni im Dorf Kwemo Alwani in Tuscheti abgehalten wurde. Die Organisatoren, die Nichtregierungsorganisation "Alwani 2000", wollten mit den Bewohnern der Region und anderen Interessierten die schwierige wirtschaftliche und ökologische Lage Tuschetis diskutieren, auch Mitarbeiter von CUNA Georgica waren unter den Teilnehmern. An der Konferenz nahmen, Wissenschaftler sowie Vertreter von Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen und Jugendliche aus der Region teil.

Die Konferenz eröffnete der Ökonom Hamlet Giorgadse mit einem Bericht über Probleme der Landwirtschaft in den georgischen Bergregionen und speziell in Tuscheti. Eine starke Landwirtschaft sei die Grundlage für eine starke Wirtschaft, sagte er. Das am 9. Juni vergangenen Jahres verabschiedete Gesetz über die soziale und wirtschaftliche Entwicklung der Bergregionen hätte die Situation eigentlich verbessern sollen. "Damit Tuscheti wirtschaftlich wächst, die Marktwirtschaft hier Fuß fasst und die Landwirtschaft sich weiterentwickeln kann, müssen die Menschen hier endlich dauerhaft seßhaft werden", forderte Giorgadse. "Es kann nicht so weitergehen wie bisher, dass die Tuschen im Sommer nach Tuscheti und im Winter in die kachetischen Dörfer und Städte ziehen", so Giorgadse.

Er stellte auch ein Projekt vor, in dessen Zentrum die Gründung eines Informationszentrums für die Region Tuscheti steht. Die schwierige wirtschaftliche Lage von ganz Georgien betreffe vor allem die Regionen. Große Teile der Landwirtschaft funktionierten kaum mehr. Aber für Ökonomie des Landes sei die Arbeitskraft in den Regionen von großer Bedeutung. Damit die verarmten Dorfbewohner ihre Arbeitskraft einsetzen könnten, müssten sie wissen wie und wo. Man müsse ihnen neue Wege aufzeigen, zugleich aber auch investieren. So sei die Aufgabe seines Projektes vor allem, Informationen über die tuschetische Landwirtschaft zusammenzutragen und andererseits den Bewohnern der Region Information über Entwicklungsmöglichkeiten aus dem Internet zugänglich zu machen. Das Informationszentrum arbeite mit Experten verschiedener Fachrichtungen und auch mit ausländischen Organisationen und Regierungsvertretern in Tuscheti aktiv zusammen. Regelmäßig sollen Seminare und Konferenzen stattfinden. Dieses Projekt leitet die Nichtregierungsorganisation "Alwani 2000".

Der Philologe Giorgi Zozanidse bedauerte in seinem Vortrag, dass die einst für die Region so wichtige Schafzucht ihre Bedeutung heute fast vollständig eingebüßt habe, dass Schafzucht, Schafskäseproduktion und Wollverarbeitung heute kaum noch betrieben werde. Ein Grund für den Rückgang sei, dass die Weiden nicht mehr so fruchtbar seien wie früher und man daher das Vieh auch nicht mehr so gut füttern könne. Es gäbe kaum mehr endemische Pflanzen, die Erosion des Bodens nehme beunruhigende Ausmaße an. Eine Ursache hierfür sei, dass die Schäfer ihre Herden trotz Verbots in geschützten Zonen weiden ließen, weil diese ihrerseits Diebe und Räuber fürchteten, wenn sie die Herden weiter auf die eigentlichen Weiden trieben. Es sei schon vorgekommen, dass Schafe dutzendweise geklaut wurden, die Schäfer fühlten sich dagegen macht- und hilflos.

Ein wichtiges Thema, dass immer wieder auftauchte, war der Naturschutz in Tuscheti. Wie kann man der Zerstörung des ökologischen Systems der Region entgegenwirken. Eine wichtige, geradezu unumgängliche Maßnahme ist nach Ansicht der Teilnehmer der Konferenz die Errichtung eines Nationalparks in Tuscheti. Die Gründung des Nationalparks ist für 2000- 2001 geplant. Allerdings ist auch dafür finanzielle Unterstützung vom Staat sowie von ausländischen Organisationen erforderlich. Das Gebiet des Nationalparks in Tuscheti wird aus 116000 Hektar bestehen, 28.000 Hektar davon werden eine streng geschützte Zone umfassen, Missbrauch etwa als Weidezone wird hart bestraft werden. Die zweite Zone wird Siedlungsgebiet sein, und die dritte Zone kann als Weidefläche genutzt werden.

Auf der Konferenz wurde auch über die Entwicklungsmöglichkeit des Tourismus in Tuscheti gesprochen. Diese Region hat viel zu bieten, was Touristen anziehen könnte. In jedem tuschetischen Dorf gibt es etwa 38 Privathäuser, die in der Saison cirka 2000 Gästen Unterkunft geben können, wobei man allerdings einschränken muss, dass der Standard bisher noch recht bescheiden ist und es zum Beispiel keine Badezimmer und auch keine modernen Toiletten gibt. Wer den Tourismus fördern möchte, müsste Konzepte entwickeln mit Hilfe derer die Bevölkerung vor Ort solche Probleme in Angriff nehmen kann.

Auf der Konferenz wurde ein breites Spektrum von Themen, die Tuscheti betreffen, angesprochen und vertieft. Abschließend formulierte einer der Initiatoren der Konferenz, Ansor Gogotidse folgendes Resümee: "Ohne Rücksicht auf die Ökologie kann sich die Ökonomie nicht entwickeln. Besser ist es, Schritt für Schritt miteinander die Schwierigkeiten zu bewältigen und so ein nachhaltiges Resultat zu erzielen."