Porträt eines georgischen 
Geschäftsmannes

 

Mamuka Chasaradse

Interview mit Herrn 
Dr. Mamuka Chasaradse,

 

 

 

 

 

Präsident  der TBC (Tbilissi Business Center)-Gruppe,  Präsident  der TBC-Bank, Präsident der „Georgian Glass & Mineral Water Co.N.V.", Stellvertretender Aufsichtsrat-Vorsitzender der MBG…

K.P.: Ich hoffe, die Liste mit der Aufzählung Ihrer Titel ist vollständig. Der dreifache Präsident! Streben Sie danach, überall und immer ein Leader zu sein?

M.Ch.: Was ist schlecht daran? Erstens, ist es ein schönes Gefühl, zu führen! Zweitens, mobilisiert es mich, im ständigen „Streben nach oben" zu sein. Drittens, ist es eine grosse Verantwortung, da oft Vieles von einer Entscheidung abhängt. Aber ich kann auch die zweite Geige spielen, wenn ich einen mir überlegenen Leader neben mir sehe. Das tue ich auch im Aufsichtsrat der Microfinance Bank of Georgia, wo wir einen ausgesprochenen Leader haben wie Herrn Dr. Neuhoff.

Sie erinnern sich daran, wie eifrig man in unseren sowjetischen Schulen versucht hat, aus uns eine gut dressierte, gehorsame, graue, gesichtlose Masse zu basteln. Was die neue Zeit mit dieser Masse gemacht hat, das sehen wir heute. Ich bin der Meinung, dass man heute in unseren Schulen unterrichten sollte, wie man ein Leader wird. Unser Land und die neue Zeit brauchen aktive, initiativreiche, schöpferische Menschen.

K.P.: Wer war Mamuka Chasaradse in der „alten Zeit"und was hat die „neue Zeit" aus ihm gemacht?

M.Ch.: Ich war, bin und versuche auch weiterhin Mamuka Chasaradse zu bleiben. Das ist wichtig für mich!..Wenn Sie mein Werdegang als Businessman interessiert, so habe ich mit meinem ersten „Geschäft" 1991 angefangen. Damals, in der für Georgien schlimmen Folgezeit des Bürgerkrieges war ich gezwungen, meine wissenschaftliche Tätigkeit an der Polytechnischen Universität Tbilissi aufzugeben und nach einem Überlebungsweg für mich, für meine Familie und für meine Freunde zu suchen. Gemeinsam mit meinen Freunden habe ich eine kleine Businessgruppe gegründet. Unser erstes Geschäft beinhaltete Ausstellung und Verkauf von Gemälden georgischer Maler. Leider war es ein Misserfolg. Dem folgten weitere, allmählich immer besser werdende Versuche, „uns" selbst und neue Beschäftigungsfelder zu finden. 1992 haben wir die unsere Bank (TBC) gegründet. Nach 8 Jahren fleissiger Arbeit, die von wohlwollendem Blick Fortunas begleitet war, sind wir nun eine der wichtigen in Georgien tätigen Finanz- und Produktionsgruppen. Unsere Businessgruppe „TBC" LtD beschäftigt heute mehr als zweitausend Menschen in ihrem Geschäftsnetz, in den Abfüllwerken von Mineralwasser Borjomi, in der Glasfabrik Chaschuri, bei der TBC-Bank und ihren Zweigstellen und bezahlt dem Staatshaushalt solide Steuern.

K.P.: Wie lebt ein Unternehmer in einem solchen Transformationsland, wie Georgien? Welche Art der Unterstützung sollte ein Geschäftsmann vom Staat erhoffen?

M.CH.: Unser Staatshaushalt steckt in einer äusserst schwierigen Situation. Das erzeugt soziale Spannungen, die eine erfolgreiche Geschäftsführung sehr erschwert. Die TBC-Gruppe ist praktisch alle Stufen durchgegangen, vom Kleinunternehmer, über den Mittleren bis zum Grossunternehmer. Daher kann ich die Bedeutung und Entwicklungsschwierigkeiten der Unternehmer dieser drei Stufen sehr gut einschätzen. In erster Linie soll unser Staat allen Businessleuten gleichberechtigte Bedingungen für wirtschaftliche Tätigkeit schaffen. Erst durch eine richtige Steuerpolitik, durch die Schaffung der gesetzlichen Basis wird eine Genesung des Investitionsklimas erreicht. Das wichtigste für unser Land ist die Stärkung der Mittelschicht der Bevölkerung durch Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen. Man soll ihnen den Zugang zu günstigen Krediten ermöglichen und die schlimmen bürokratischen Hindernisse auf den Entwicklungswegen der Unternehmer abbauen. Im Lande ist nämlich die Mittelschicht der Garant für Stabilität und die Grundquelle für den Staatshaushalt. An dieser Stelle möchte ich betonen, dass man bestimmte Fortschritte in dieser Richtung nicht übersehen darf - die Existenz unserer und vieler anderer Unternehmen in Georgien ist ein überzeugendes Beispiel dafür. Sicher, sind wir von der Vollkommenheit noch weit entfernt, wir brauchen noch gründlichere Reformen in allen Lebensbereichen.

K.P.: Uns freut der Funke des Optimismus, der gerade in Ihrem Gespräch geblitzt hat. Jedoch hat sich die Zahl der ausländischen Investoren in der letzten Zeit bei uns vermindert, viele georgische Unternehmen sind bankrott gegangen… Georgien bekommt immer weniger internationale Hilfe, obwohl die Zahl der Hilfbedürftigen immer noch sehr hoch ist!

M.CH.: Noch vor 10 Jahren war Georgien ein Teil eines zentralistischen Staates, ein Teil eines völlig anderen wirtschaftlichen und politischen Systems und zwangweise ein Teil einer völlig anderen Kultur… 10 Jahre ist eine geringe Zeitspanne für die radikale Metamorphose der Menschen in ihrer Denk-und Lebensweise, für den Übergang zu völlig unbekannten, für die ehemaligen „Sowjetmenschen" als „menschenfeindlich" berüchtigten wirtschaftlichen und politischen Systemen. Die Transformationsperiode wird leider länger verlaufen, als man das angenommen und schmerzlicher, als man sich das gewünscht hat. Mindestens zwei Generationen der alten Sowjetgesellschaft sind diesen Umwandlungen zum Opfer gefallen. Die Zahl der Menschen, die nach den Gesetzen der Marktwirtschaft leben und wirken können, ist noch sehr gering. Uns fehlen Erfahrungen des internationalen Lebens, die den neuen Anforderungen gerechten Kenntnisse, finanzielle Mittel, eigene Initiative - mit einem Wort alles, wovor uns „die grosse Sowjetunion" durch den „eisernen Vorhang" jahrzehntelang eifrig „beschützt" hat. Es ist ja logisch, dass wir noch nicht in der Lage sind, eine gleichberechtigte Partnerschaft unseren ausländischen Kollegen anzubieten. Einige versuchen, die Zusammenarbeit mit den ausländischen Partnern mit der alten „sozialistischen" Mentalität aufzubauen (Früher war der Staat eine Melkkuh, jetzt versuchen sie den Partner in diese Rolle zu zwängen)… Dazu kommen auch noch die Korruption der Staatsangestellten, wie oben bereits erwähnt - der fehlende Wille des Staates, die Unternehmer mit der gesunden und flexiblen Steuerpolitik zu unterstützen und die mangelhafte rechtliche Basis. Weiterhin dürfen wir die geografische und politische Umgebung Georgiens nicht ausser Acht lassen: Unser „Grosser nordischer Bruder" kann sich immer noch nicht damit abfinden, dass Georgien seine politische Unabhängigkeit bekommen hat und versucht offen oder heimlich, mit allen Mitteln uns daran zu verhindern, auch wirtschaftliche Unabhängigkeit und Stärke zu erreichen und in uns die Nostalgie nach „alten, guten Zeiten" wieder zu wecken. Der Tschetschenienkrieg, der in westlichen Medien absichtlich oder fälschlicherweise als „Kaukasuskrieg" genannt wird, hat viele Investoren irritiert und ihnen die „Geschäftslust" für Georgien weggenommen.

Als Resultat haben wir bankrotte georgische Unternehmen, die Verminderung der Zahl der ausländischen Investoren in Georgien und den schlechten internationalen Ruf.

Zum Glück gibt es inzwischen georgische Firmen, die sich als faire und lernfähige Partner erwiesen und viele nützliche Kenntnisse und Erfahrungen durch internationale Zusammenarbeit gesammelt haben. Es ist wichtig, dass viele eingesehen haben, dass das neue Leben eine neue Arbeitsmoral, Wissen, Fleiss, Disziplin, Verantwortung, eigene Initiative fordert. Mich freut, dass unsere jüngere Generation versucht, mit dem neuen Leben Schritt zu halten.

K.P.: Sie geben uns abwechselnd kalte und heisse Duschen…

M.CH.: Jetzt wird sie fast eiskalt: Das grösste Problem unseres Landes ist das schwache Management der staatlichen Strukturen. Alle Investoren und Geber kommen damit in Berührung. Die herrschende Bürokratie, Korruption, Stagnation wirkt so frustrierend, dass Viele sagen: das war zum ersten und letzten Mal… Das ist schlecht für Georgien.Wir dürfen nicht vergessen, dass es viele andere, in wirtschaftlicher Hinsicht interessantere und risikofreiere Länder gibt, als Georgien. Der Staat soll sich Mühe geben und den Investoren (innländischen /ausländischen) die günstigeren Bedingungen schaffen, als es beispielsweise in den Nachbarländern gibt.

Solange Korruption im Lande herrscht und solange nur der Präsident des Landes mit einer kleinen Gruppe der Menschen gegen sie kämpft, solange wir Menschen neben uns dulden, die die für tausende Hilfsbedürftigen geschickte internationale Hilfe in die eigenen Taschen fliessen lassen, haben wir kein Recht auf eine Unterstützung. Nur die Reform der „abgetragenen" staatlichen Strukturen, die Einführung eines neuen auf die Marktwirtschaft orientierten starken Managements, eigene Initiative und starker politischer Wille kann das verlorene Vertrauen der internationalen Geber wiederherstellen. Aber ehrlich gesagt, sollten wir die obige „Ordnung" schaffen, so bräuchten wir keine ausländische Hilfe mehr, denn in einem solchen Staat kann sich das Volk selbst helfen.…

K.P.: Wenn Sie von den Reformen sprechen, meinen Sie auch die Reformen im Steuersystem?

M.Ch.: Ja, in erster Linie. Das heute funktionierende unternehmerfeindliche, unlogische und ungeregelte Steuersystem verursacht zahlreiche Beispiele der Steuerhinterziehung. Aber sogar das vollkommenste Steuersystem kann die Situation nicht retten, solange einige „unserer Brüder" es durch Bestechung oder Beziehungen schaffen, keine Steuern zahlen zu müssen.

K.P.: Ein „moderner georgischer Geschäftsmann…Wodurch unterscheidet er sich von einem „ausländischen"?

M.Ch.: Ein georgischer Businessman unterscheidet sich dadurch von einem, sagen wir mal, europäischen Geschäftsmann, dass er seine Geschäftspartner, nicht aus geschäftlichen Interessen wählt, sondern zunächst ausgehend davon, welche menschliche Beziehungen er (freundschaftliche, verwandtschaftliche, nachbarschaftliche) zu ihm pflegt. Das ist fremd für die Europäer, das, was dort gilt, ist Geschäftsinteresse - wie nützlich und zuverlässig einer als Geschäftspartner sein kann und nicht das – was für ein guter Freund, Nachbar, was für ein lieber und netter Mensch er für mich ist. Das ist meines Erachtens dadurch zu erklären, dass Europa (als Beispiel) eine langfristige Erfahrung im Business hat. Mit solchen Erfahrungen bekommt man eine richtige Nase auch für die Wahl der Geschäftspartner, ausserdem gibt es dort rechtliche Hebel, falls ein Partner versucht, den anderen an der Nase ´rum zu führen. Wir haben all das noch nicht und wählen einen guten Freund, einen nahen Verwandten zum Geschäftspartner mit der Hoffnung, dass sie uns wegen ihrer freundschaftlichen und verwandtschaftlichen Gefühlen und dadurch entstandenen moralischen Verpflichtungen uns gegenüber nicht enttäuschen werden. Aber ich glaube, auch Georgier werden bald lernen, Geschäft und Freundschaft voneinander trennen zu können, vor allem wegen der vielen Enttäuschungen, die es bisher gab.

K.P.: Sie sind jetzt 33 und ein erfolgreicher Geschäftsmann. Als Sie mit Ihrem ersten „Geschäft" angefangen haben, waren Sie 23. Sollte jetzt ein ehrgeiziger junger Mann, der mindestens Ihre Höhen im Business erreichen möchte, Sie um den Rat fragen, was würden Sie ihm empfehlen? Hätten Sie ein Rezept für ihn?

M.Ch.: Wie wird man ein erfolgreicher Geschäftsmann? Es gibt leider kein Rezept dafür, sonst würde es wimmeln von lauter Geschäftsleuten. Ich könnte höchstens einige Komponnenten für ein Rezept nennen: am Anfang steht harte und erschöpfende Arbeit, Fleiss, Hartnäkkigkeit, starker Willen, Mut, eine gute Nase und Situationsgefühl, Fairness, Wissen, analytisches Talent, gutes, zuverlässiges Team – das alles in grosser Dosis und noch ein bisschen Glück dazu!

Es gibt zwei Arten der Menschen, die im Business sind: die einen haben Ideen und Geld, die anderen können die Ideen der anderen umsetzen und die Arbeit erfolgreich managen. Man muss sich selbst richtig einschätzen können, wozu man fähig ist. Ich bin glücklich, bis eine Idee umsetzungsreif ist. Sobald sie aber anfängt zu „arbeiten", überlasse ich sie den „gebürtigen" Managern - die tägliche Routine macht mir wenig Spass. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich die Kontrolle über den Verlauf aus den Augen lasse.

K.P.: Was halten Sie davon, dass viele unserer Geschäftsleute in die Politik übergangen sind und sogar eigene Partei („Unternehmen wird Georgien retten") gegründet haben. Schafft es ein erfolgreicher Businessman auch ein erfolgreicher Politiker zu sein? Haben auch Sie vor dieser Versuchung gestanden?

M. Ch.: Auch ich bekam das Angebot, im Parlament gewählt zu werden. Da aber unser Land in der jetzigen, schwierigen Transformationsperiode gute Fachleute braucht, wäre das meinerseits falsch, das Angebot anzunehmen. Ich habe mich als Geschäftsmann noch nicht erschöpft, die jetzige Situation in unserem Land eröffnet einem Businessman ein vielfältiges Tätigkeitsfeld. Ich denke, auch ich mache meine Art Politik, wenn ich mit meinem Team die Verantwortung für jene Menschen übernehme, die uns ihr Vertrauen geschenkt haben und zusammen mit uns arbeiten.

Was nun den zweiten Teil Ihrer Frage anbetrifft, wenn die Unternehmer im Lande sich unbeschützt fühlen, so werden sie gezwungen, selbst „aufs Feld zu ziehen". Wenn Sie unsere Parlamentssitzungen verfolgen, wo die „Unternehmer" (so werden kurz die Mitglieder der Partei „Unternehmen wird Georgien retten" genannt) immer wieder vergeblich versucht haben, ihren Entwurf für Steuergesetzgebung dem Parlament noch vor den Sommerferien zur Disskussion vorzulegen, haben Sie sich bestimmt dasselbe gedacht, was ich mir gedacht habe. Vielleicht passt einigen in unserem Parlament es nicht, „das Wasser zu klären", weil man in trübem Wasser auch in Georgien gut fischen kann. Aber ich denke, die „Unternehmer" werden es allmählich schaffen, auch als Politiker ernst genommen zu werden. Es ist schon mal gut, dass wir dank „Unternehmer" in unserem Parlament die Leute haben, die die „Businesssprache" - im breitesten Sinne des Wortes - verstehen. Ich kenne die Mentalität der guten Geschäftsleute - sie werden unbedingt versuchen, auch in diesem Bereich die Ersten zu werden. Das bringt schon ein bisschen Spannungen mit, aber ich sehe nichts Schlimmes darin. Schlimmer finde ich die Tatsache, dass unsere Parlamentarier ins Geschäft übergehen und beginnen Gesetze an eigene Geschäfte anzupassen.

K.P.: Georgischen Traditionen folgend ist der Gast „Geschenk Gottes" und alles, was mit dem „Gast" zu tun hat, wird von uns fast als heilig geschätzt und kritik- und kommentarlos akzeptiert. Viele unsere „Gäste", sowohl aus der Geschichte als auch (und vor allem) „neuzeitliche" haben jedoch unsere Gastfreundschaft missverstanden. In der letzten Zeit hört man unzufriedene georgische Stimmen über unsere ausländische Gebern und Partner. Wie schätzen Sie generell die Zusammenarbeit mit den internationalen Partnern und Gebern? Welche Probleme tauchen dabei auf?

M.Ch.: Ich bin generell für die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern. Jeder neue Partner bringt uns neues Wissen, neue Sicht, neue Erfahrungen, manchmal zwar auch bittere, aber auch sie helfen uns „reicher und reifer" zu werden. Ich denke aber, das die Formen der Zusammenarbeit revisionsbedürftig sind. Für jedes grosse internationale Finanzinstitut ist Georgien nur einer der zahlreichen Partnern in der ganzen Welt. Es ist oft so, dass sie, bevor sie nach Georgien kamen, in anderen, viel grösseren Entwicklungsländern gearbeitet haben, als es Georgien ist. Sie kommen nach Georgien mit den z. B. für Indien oder eines der grossen afrikanischen Länder erarbeiteten Schablonen der Entwicklungshilfe und versuchen auch das kleine Georgien aus Zeitmangel in dieses für unser Land wildfremdes Schema einzubetten. Selbstverständlich will man solchen Empfehlungen der internationalen Geber folgen, wie Korruptionsbekämpfung, Vervollkommnung der Steuergesetzgebung, Steuerzahlung etc. Die Frage ist nur, auf welche Weise kann man sie in Georgien realisieren? Ist die Lösung, die seinerzeits für Indien gefunden wurde, heute auch für Georgien akzeptabel?

Oft zeigen wir uns unfähig, die internationalen Geber davon zu überzeugen, auf welche Weise diese Zusammenarbeit mehr Nutzen bringen könnte. In solchen Minuten regiert mit uns entweder unsere alte sozialistische Erziehung - dem Stärkeren nachzugeben, oder die neuzeitliche wirtschaftliche und politische Apathie. Und wieder verpassen wir eine weitere Chance, einen Schritt vorwärts zu kommen. Schade um die Zeit, um Geld und vergebliche Mühe…

K.P.: Mit welchen internationalen Finanzinstituten haben oder hatten Sie Kontakte ?

M.Ch.: Mit mehreren: mit TACIS, der USAID, der EBRD, der IFC, der Weltbank, der KfW.

K.P.: Können Sie uns am Beispiel Ihrer Zusammenarbeit mit einem von diesen Instituten eine Geschmacksprobe dessen geben, wie sich diese Partnerschaft zwischen Ihnen verläuft?

M.CH.: Immer gern führe ich die wirklich beispielhafte Zusammenarbeit mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) an. Zusammen mit ihr - einer der solidesten Kreditanstalten Europas - haben wir in Georgien die Microfinance Bank of Georgia (MBG) gegründet. Ausser uns sind drei weitere georgische Banken und renommierte internationale Finanzinstitute die Mitbegründer der Bank. Das ist das erfolgreichste unter den von internationalen Gebern in Georgien realisierten Projekten und die Zusammenarbeit mit den namhaften internationalen Finanzinstituten bei diesem Projekt ist für die georgischen Banken richtig gute Schule.Ich möchte betonen, dass uns die Art und Weise, wie die KfW- Mitarbeiter mit uns zusammen arbeiten, imponiert. Sie haben ein ganz anderes Gefühl für Kollegialität. Wir wünschten uns immer mit solchen hochintellektuellen, fairen, vertrauenswürdigen, hilfsbereiten und ausgezeichneten Fachleuten zu tun zu haben wie Dr. Neuhoff - der Abteilungsdirektor der KfW und der Vorsitzende des Aufsichtsrates von MBG und wie Dr. Zeitinger, der Präsident der IPC.

K.P.: Meines Wissens mangelt es in Georgien nicht an Banken. Warum war die Gründung einer weiteren Bank notwendig?

M.Ch.: Das stimmt. Noch vor zwei Jahren gab es in Georgien über 100 Banken. Jetzt beträgt diese Zahl ungefähr 30 und sogar sie ist zu gross für so ein kleines Land wie Georgien. Die KfW hat den Banken- und Finanzsektor Georgiens erforscht, um die Schwachstellen zu identifizieren. Man hat festgestellt, dass es eine grosse Lücke in der Vergabe der kleinen Kredite gibt, weil die georgischen Banken mehr an der Vergabe der grösseren Kredite interessiert sind. Die KfW hat eine richtige Konzeption erarbeitet: die Gründung einer auf die Vergabe der kleinen und mittleren Kredite spezialisierten Bank, bei der die kleinen und mittleren Unternehmer alle Dienstleistungen bekommen sollten. Heute kann ich mit Stolz sagen, dass die richtige Konzeption tadellos realisiert wurde: die MBG wurde im Mai 1999 gegründet, aber 700 Kreditkunden und USD 400 Mio haben sich auf dem Markt schon ausgewirkt. Tja, auch ein gutes Beispiel kann ansteckend sein: die anderen georgischen Banken haben angefangen, sich für diesen Markt zu interessieren…

P.S. der K.P.: Schade, dass unser dünnes Heft nicht erlaubt, das fast zweistündige interessante Gespräch mit unserem angenehmen Gesprächspartner im neuen Büro der „Georgian Glass & Mineral Water Co." ganz wiederzugeben. Eins möchte ich aber unbedingt betonen, dass unser charmanter Gastgeber ein musterhafter Familienvater von drei Kindern ist. Er schafft es, trotz seiner zahlreichen Tätigkeiten, das ganze Wochenende im Familienkreis zu geniessen. Er hat immer einen grandiosen Plan, was er alles noch tun könnte. Seine Lebenslust und sein Kampfgeist sind ansteckend, sein Optimismus scheint begründet zu sein, seine Erfolge sind überzeugend. Seine ganze Erscheinung wirkt ebenso genesend wie sein berühmtes Mineralwasser „Borjomi".

Ohne Bedenken würde ich solchen schaffensfrohen und intelligenten Männern die Zukunft meiner Heimat anvertrauen!..